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Full text of "Beiträge zur kenntnis der allmendverfassung .."

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LIBRARY 

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University of California. 

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Beiträge 



zur 



Kenntnis der Allmendverfassung 



(Teildruck aus der Schrift »Die Bedeutung des Allraendbesitzes in der Gegenwart« 
Volkswirtschaft!. Abhandlungen der Bad. Hochschulen, IX. Bd., 6. Ergänzungsheft) 



Inaugural-Dissertation 
zur Erlangung der Doktorwürde 

vorgelegt der 

I E" ^hen philosophischen Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität zu Heidelberg 

von 

Ahron Eliasberg 

aus Pinsk (Rußland) 





Karlsruhe i. B. 
Druck und Verlag der G. Braunschen Hofbuchdruckerei 

1907 



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3* 



Vorwort 

Keiner, der empirische Untersuchungen über Wirtschaftsfragei 
unternimmt, kann die Hilfe der Männer von der Praxis entbehren 
Auch mir ist diese Hilfe in bedeutendem Maße zuteil geworden. Habei 
doch über 200 badische Gemeindebehörden die mühevolle Arbei 
nicht gescheut, meine Enquete zu beantworten. Dazu kommen nocl 
zahllose Staatsämter (auch außerhalb Badens), Pfarrer, Lehrer un< 
Privatleute aller Art, die mich mündlich oder schriftlich, persönlicl 
oder durch Empfehlung unterstützt haben. Sie alle auch nur zu nennen 
ist eine bare Unmöglichkeit Nur für das Großherzogliche badisch« 
statistische Landesamt, auf welchem ich fast ein halbes Jahr ununter 
brochen gearbeitet habe, will ich eine Ausnahme machen. Die durcl 
Herrn Dr. Bauer trefflich verwaltete Bibliothek und das gesamte ein 
schlägige statistische Material haben viel Stoff für mein Werk geliefert 
Durch persönlichen Umgang mit den Beamten, vor allen dem Vorstanc 
Herrn Oberregierungsrat Dr. Lange, ferner dem Herrn Regierungsra 
Dr. Hecht und durch Einblick in den ganzen Betrieb, beides oft unc 
willig gewährt, habe ich mir erst die Elemente der so schwieriger 
Kunst, mit Zahlen umzugehen, angeeignet. Und nun möchte ich nocl 
denjenigen erwähnen, dem ich mich zu ganz außergewöhnlichem Danl 
verpflichtet fühle: meinen hochverehrten Lehrer Herrn Professoi 
Dr. Rathgen. Ihm die volle Dankbarkeitsschuld abzutragen, sowoh 
für wissenschaftliche Anregungen als für den tätigen Beistand au 
meinem dornenreichen Studienwege, ist mir leider nicht gegeben. Mög< 
er wenigstens wissen, daß ich mir dessen bewußt bin und bleibe. 

WIESBADEN, den 29. Juni 1907. Der Verfasser. 



192!?:? 



Inhalt 



Seite 
Vorwort. 

I. Kapitel. Einleitung: Umfang und Methoden der Untersuchung i 

II. Kapitel. Entstehung der aufgeteilten Allmende 7 

III. Kapitel. Einige Beiträge zur Kenntnis der heutigen Allmendeverfassung . . 14 

1. Verbreitung der aufgeteilten Allmende in Baden nach natürlichen Gebieten 
(nach der Zählung von 1895) H 

2. Klassifizierung der badischen Allmendegemeinden nach Umfang ihres Allmende- 
besitzes (nach der. Zählung von 1895) *6 

3. Anbauverhältnisse 18 

4. Die verschiedenen Verteilungsarten. — Größe der Gewanne ...... 20 

IV. Kapitel. Größe und Bewirtschaftung der Einzelanteile 23 

V. Kapitel. Einfluß der Bevölkerungszunahme 30 

1. Steigendes Antrittsalter 30 

2. Abnahme des landwirtschaftlichen Elements und deren Folgen 31 

3. Folgen der städtischen Expansion 34 

Lebenslauf 40 



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I. Kapitel. 

(Einleitung.) 
Umfang und Methoden der Untersuchung. 



Von vielen Nutzungen, welche Gemeinden wie Genossenschaften ih 
Mitgliedern gewähren, bildet nur eine Gegenstand der folgenden Untersucht 
nämlich die Sondernutzung an der aufgeteilten Allmende. Die gemeinsam 
nutzte Weide wird nur soweit behandelt, als zum Verständnis der Entsteh 
der aufgeteilten Allmende nötig ist. Außer Weide gibt es eigentlich kein 
meinsam genutztes Land. Holz- und Streubezug haben mit einer La 
nutzung nichts zu tun. Denn erstens wird die Waldbewirtschaftung von 
sonderen Forstämtern besorgt und nicht von den Genußberechtigten, zweit 
aber erhalten diese gewöhnlich nicht den ganzen Ertrag des Waldes, sond 
einen bestimmten, nach oben begrenzten Abgabensatz, in den sie sich 
teilen haben. Ihre Nutzungen haben keinen direkten Einfluß auf Bew 
schaftung und Ertragsfähigkeit des Waldes. Es wäre für sie völlig glei 
gültig, wenn die Gemeinde aus irgend einem Grunde vorziehen würde, s 
des erwirtschafteten, etwa gekauftes Holz zu verteilen. Gabholz, wie man 
in Baden nennt, läßt sich andererseits bei normalen Preisen aber sehr lei 
durch Geldauszahlungen ersetzen. 

Anders bei der eigentlichen Landnutzung. Zwar findet auch hier \ 
drängung der Naturalbewirtschaftung durch Geldrenten statt, aber dieser "V 
gang ist ganz anders zu beurteilen. Landwirtschaftlich genutztes Allmendl; 
kann einen Betrieb ergänzen, oder sogar bedingen. Wenn aber an sc 
Stelle Geldbezug tritt, so muß das den Inhaber zur Aufgabe oder I 
schränkung des Betriebes und weiter zur Änderung des Berufs, zuweilen 
gar des Wohnorts veranlassen. 

Eine solche Umwandlung der Naturalnutzung geschieht aus verschiede 
Gründen und auf mancherlei Arten. Immer bedeutet sie aber einen A 
lösungsprozeß für die Allmende, deren historischer und logischer Charakter 
der unmittelbaren Verwendung für landwirtschaftliche Zwecke beruht. Die* 
Prozeß nachzuspüren, mit anderen Worten untersuchen, inwieweit der Allme 
besitz mit der heutigen wirtschaftlichen Entwicklung vereinbar ist, bildet i 
wichtigsten Zweck meiner Arbeit Daneben habe ich seine sozialpolitis 
Verwendbarkeit einer gründlichen Kritik unterworfen. 

Eliatberg, Bedeutung des Allmendbesitzet. * 



2 I. Kapitel. 

Auf das Historische wollte ich ursprünglich nur wenig eingehen. Weil 
aber meine Enquete, von der noch die Rede sein wird, reiches Material zur 
Entstehungsgeschichte der aufgeteilten Allmende geliefert hatte, glaubte ich eine 
eingehende Schilderung dieses Vorgangs geben zu müssen. Es wäre schade, 
wenn die vielen Mitteilungen, die in solcher Fülle wohl nicht sobald wieder 
jemand beisammen haben wird, unverarbeitet geblieben wären. Aus diesem 
Grunde sind im dritten Kapitel noch einige andere Punkte zusammengetragen 
worden, die keinen direkten Bezug auf die folgenden und viel wichtigeren 
Abschnitte haben. Daß dieses Kapitel äußerlich ein etwas lockeres Gefüge ist, 
weiß ich sehr wohl. Dennoch erleichtert es das Verständnis mancher Er- 
scheinungen des Allmendwesens, vor allem zeigt es im Zusammenhang mit 
dem 4. Kapitel (Bewirtschaftung), das ja auch vorwiegend aus Angaben meiner 
Enquete entstanden ist, daß die Allmende an und für sich eine durchaus 
lebensfähige Institution ist. Wenn sie trotzdem dem Untergang geweiht ist, 
so liegt es an den Veränderungen, welche das gewaltige Wachsen der Be- 
völkerung mit sich bringt. 

Ich habe auf eine Darstellung der Rechtsverhältnisse fast vollständig ver- 
zichtet. Die vorhandene Literatur enthält einige vorzügliche Arbeiten über 
das badische Allmendrecht , vor allen das schier unerschöpfliche Handbuch 
des badischen Gemeinderechts von Wielandt. Für andere Bundesstaaten findet 
man in ähnlichen Werken alles Wissenswerte. 

Überhaupt ist die volkswirtschaftliche Würdigung der Allmende gegenüber 
der rechtlichen und der rechtshistorischen bisher sehr vernachlässigt worden. 
Seitdem Bücher im Jahre 1879 seine klassischen Kapitel über die südwest- 
deutsche Allmende in der deutschen Ausgabe des Ureigentums veröffentlicht 
hat, ist keine einzige Schrift erschienen, die es versucht hätte, dem Problem 
von dieser Seite näher zu treten. Einige statistische Angaben, einige mehr 
oder minder begründete Urteile — das ist auch alles, was die Literatur seit- 
her zur Ergänzung jenes grundlegenden Werks geliefert hat. 



Der größte Teil meines Materials ist badischen Verhältnissen entnommen. 
Dieses Land, das geographisch, klimatisch, historisch und wirtschaftlich ein 
unendlich buntscheckiges Bild bietet, ist als Studiumbasis ein gar brauchbares 
Gebiet. Man darf sagen, daß hier alle Verhältnisse anzutreffen sind, die zu 
den Problemen meiner Arbeit auch nur eine entfernte Beziehung haben könnten. 
Dabei war ich aber immer bestrebt, in der Darstellung alles spezifisch 
Badische nach Möglichkeit wegzulassen und berücksichtigte nur solche Er- 
scheinungen, für die auch in anderen Ländern Analogien vorhanden und 
wenigstens wahrscheinlich sind. Nur für das zweite und dritte Kapitel habe ich 
mich ausschließlich auf Baden beschränkt (die Gründe siehe oben). Aber 
auch ihnen kommt mindestens ebenso sehr allgemeine wie lokale Bedeutung zu. 

Ausgangspunkt und erste Grundlage der Forschung war mir die Zählung 
von 1895. Soweit sie von Ellering in seinem Buch bearbeitet worden ist, 
verweise ich darauf 1 . Ich habe das Material aber noch vielfach zergliedert, 



s ) Die Allmenden im Großherzogtum Baden, Tübingen und Leipzig 1902 (volkswirt- 
schaftliche Abhandlungen der badischen Hochschulen, HJ. B, 5. Heft). 



Umfang und Methoden der Untersuchung. 7 

vor allem durch Berücksichtigung der sogenannten natürlichen Gebiete. Diese 
Einteilung beruht auf geographisch-topographischen Gesichtspunkten und er- 
möglicht nicht nur eine ziemlich scharfe Trennung anders gearteter Gemeinden, 
die in manchen Amtsbezirken zusammengeworfen sind, sondern gibt auch den 
Schlüssel zum Verständnis der Verschiedenheiten, an denen die Wirtschaft des 
Landes so reich ist. Sie wird von der badischen Landesstatistik vielfach ver- 
wendet, worüber ich auf Hecht, Badische Landwirtschaft, S. 1 — 2 verweise. 

Die landwirtschaftliche Zählung, die doch nur Betriebsstatistik war, 
konnte keine Aufschlüsse über andere Seiten des Allmendproblems geben. 
Daher habe ich mich sehr bald veranlaßt gesehen, eine Enquete zu veran- 
stalten. 1 Da dieser Weg zur Erforschung einzelner Fragen sich sehr gut be- 
währt hat und bei Jüngern der Wissenschaft sich immer mehr einbürgert, will 
ich die Erfahrungen, die ich damit gemacht habe, etwas ausführlicher mit- 
teilen. Hoffentlich werden sie manchem Kollegen zugute kommen. 

Es ist eine bekannte Tatsache, daß man niemals im voraus beurteilen 
kann, was bei einer Enquete herauskommen wird. Man kann für Umfang 
und Gruppierung des Antwortmaterials die größten Überraschungen erleben. 
Manche Frage, die der Verfasser mitsamt seinen Beratern für sehr klar gehalten 
hat, erweist sich aus irgend einem Grunde so zweideutig, daß sie ganz un- 
brauchbare Antworten heimbringt. Die Fragen IV 2 a und IV 3 b lauten bei 
mir: Wiewiel Lose gibt es im ganzen? bezw. wieviel Lose in jeder Klasse? 
Leider hatte ich dabei übersehen, daß das Wort »Los« in doppeltem Sinne 
gebraucht wird: einmal für Gesamtanteile eines Bürgers am Allmendland und 
zweitens für die einzelnen Parzellen, aus denen der Anteil zusammengesetzt 
sein kann. Ebenso unglücklich war die Verquickung der Bezeichnungen »AU- 
mendstück« und »Gewann« in der Frage VI. Allmendstück nennt man nur 
einen einzelnen Anteil in einem Gewann. Besondere Schuld kommt mir 
an diesen Irrtümern aber nicht zu. Solche Feinheiten erfährt man nämlich 
erst, wenn man systematisch Tatsachen sammelt — wie es eben durch meine 
Enquete geschehen ist. Jedenfalls hat mich keiner der Herren, denen ich 
den Entwurf des Fragebogens gezeigt hatte, darunter sehr gewiegte theoretische 
und praktische Kenner der badischen Landwirtschaft, auf jene Unklarheiten 
aufmerksam gemacht. Mir haben diese Unklarheiten aber einige Dutzend un- 
verwendbare Antworten gebracht. Andererseits hatte ich beim Entwerfen meines 
Fragebogens von der ersten Frage keinen Erfolg erwartet. Mit besseren 
Kennern des Landes als ich selbst teilte ich den Irrtum, daß die Gemeinde- 
behörden darüber keine Auskunft geben könnten. In Wirklichkeit sind so 
viele gute Antworten eingelaufen, daß ich, wie schon erwähnt, aus ihnen haupt- 
sächlich das zweite Kapitel bilden konnte. Ich gebe daher jedem, der eine 
so eingehende Umfrage erläßt, den Rat, sich vorher mit den ländlichen Aus- 
drücken vertraut zu machen und zu diesem Zweck einige Gemeinderechnungen, 
Bittschriften, Prozeßberichte usw. durchzulesen. 

Je weniger Erläuterungen man einem Fragebogen beifügt, desto besser 
fallen gewöhnlich die Fragebogen aus, meinte ungefähr der Direktor des 
Badischen Statistischen Landesamtes, Herr Oberregierungsrat Dr. Lange, als ich 
ihm meinen Entwurf vorlegte. Dieser Ansicht kann ich jetzt nur beitreten. 
Selbst die wenigen Vorbemerkungen meines Bogens waren vielleicht zu wort- 



» Siehe Anhang. 



4 I. Kapitel. 

reich. Ich glaube, daß wenn man Menschen in verständlicher Weise über die 
Dinge ihrer alltäglichen Praxis befragt, sie dann meistens vernünftige Ant- 
worten geben werden. Und wenn nicht alle Antworten meinen Erwartungen 
entsprochen haben, so liegt es zum Teil auch am Fragebogen selbst. 

Eine Enquete wie die vorliegende hat weniger den Zweck, einwandfreie 
Zahlen zu sammeln, als vielmehr Tatsachen und Urteile, die ja nicht immer 
Werturteile zu sein brauchen. Nach meiner Erfahrung lassen sich die 
intelligenteren Landleute viel lieber mit Meinungen, als mit Zahlenangaben 
vernehmen. Man wähle und formuliere dahier seine Fragen so, daß ein 
Mann von gesundem Menschenverstand aus der Fülle seiner Erfahrung und 
ohne allzuvieies Nachschlagen in Akten und Rechnungen darauf ein- 
gehen kann. 

Von berüchtigtem Mißtrauen der ländlichen Bevölkerung habe ich 
weder bei der Umfrage noch auf zahlreichen Ausflügen in Allmendgemeinden 
irgend etwas gemerkt. Wenn dieses vorhanden wäre, so hätte ich als Aus- 
länder es wohl zu spüren bekommen. Umgekehrt: bereitwilligere und liebens- 
würdigere Auskunft habe ich nicht immer in Städten erfahren. Der Erfolg- 
meiner Enquete hat denn auch dem Gesagten entsprochen: von 284 ver- 
schickten Bögen (ohne Amt Karlsruhe) sind 194 ausgefüllt zurückgekommen 

= 687o. 

Die Auswahl der Gemeinden für die Umfrage entbehrte nicht einer ge- 
wissen Willkürlichkeit. Zunächst wurden solche mit absolut großem Allmend- 
besitz genommen. Dann mußten aber auch andere Momente berücksichtigt 
werden: relativer Anteil an der landwirtschaftlichen Anbaufläche, Größe der 
Anteile und deren Verhältnis zum Einzelbesitz im ganzen. Beim letzteren 
Punkt habe ich im allgemeinen der Unterschiede zwischen Gebirge und 
Ebene gedacht. 

Da das Allmendwesen gesetzlich geregelt ist und der staatlichen Auf- 
sicht unterliegt, ist es natürlich, daß in den Akten der Bezirksämter viel 
Material über die Dinge vorhanden ist. Ich habe in Karlsruhe sehr wert- 
volle Angaben gefunden und in meiner Schrift mit Nutzen verwendet. Gerade 
hier habe ich mich überzeugt, was eine energische Einwirkung seitens der 
Aufsichtsbehörde zur Beseitigung mancher Mißstände erreichen kann. 1 Es 
wäre zu wünschen, daß dies Vorgehen auch bei anderen Ämtern Nach- 
ahmung findet. 

Um festzustellen, ob der Allmendbesitz auf die allgemeinen wirtschaft- 
lichen und vor allem auf die Bevölkerungsverhältnisse von Einfluß ist, habe 
ich folgendes versucht. Ich habe in einem zusammenhängenden Gebiet der 
unteren Rheinebene, in der die Allmende am meisten verbreitet ist, sämtliche 
Landgemeinden zusammengestellt. Mit dem gewählten Gebiet fallen die ebenen 
Teile der Amtsbezirke Rastatt, Ettlingen, Durlach, Karlsruhe, Bruchsal, Wies- 
loch, Schwetzingen und Heidelberg zusammen. Unter den Gemeinden befinden 
sich zwei kleine Städtchen, Kuppenheim (Rastatt) und Philippsburg (Bruchsal), 
die aber noch viel Landwirtschaft haben. Dagegen habe ich die Land- 
gemeinde Söllingen (Rastatt) weggelassen, um die Zahl 100 zu haben. Ich 
werde diese ganze Zusammenstellung unter dem Namen »100 Gemeinden« 
anführen. Von diesen Gemeinden habe ich nun solche mit absolut und 



1 Vgl. über Linkenheim und Liedolsheim S. 28. 



Umfang und Methoden der Untersuchung. i 

relativ reichem Allmendebesitz (auch anderen Nutzungen) ausgeschieden un< 
besonders zusammengestellt und bezeichne sie als die »20 Allmendgemeinden« 

Was literarische Quellen anbelangt, so habe ich deren Dürftigkei 
durch intensive Ausnutzung des Vorhandenen nach Kräften wettzumachei 
versucht Die Darstellung selbst wird genügend erweisen, wieviel ich dei 
grundlegenden Werken von Bücher 1 und Miaskowski 3 verdanke, Anregungei 
noch mehr als Mitteilungen. Ferner habe ich Rennefarts Buch über di< 
Allmende im Berner Jura oft benutzte Für die Schilderung der landwirt 
schaftlichen Verhältnisse der Arbeiter haben mir die ausgezeichneten Mono 
graphien der badischen Fabrikinspektoren, vorallem die von Fuchs, un 
schätzbare Dienste geleistet. Ein höchst wertvoller Leitfaden zum Ver 
ständnis der badischen, wie überhaupt der südwestdeutschen Landwirtschaf 
war mir endlich das vielbesprochene Buch von Hecht: »Die badisch« 
Landwirtschaft am Anfang des 20. Jahrhunderts.« Mein Manuskrip 
hatte ich Anfang September 1906 abgeschlossen. Inzwischen sind nun einig« 
Schriften erschienen, die als erste ihrer Art einige von mir auch berührt« 
Fragen untersuchten. Es sind: 1. Dr. F. Christoph: Die ländlichen Gemein 
guter (Allmenden) in Preußen, Jena, Fischer 1906. 2. Dr. P. F. Walli: Di« 
Dezentralisation der Industrie und der Arbeiterschaft im Großherzogtum Baden 
Karlsruhe, Braun 1906 (VIII. B., 4. Ergbd. der volkswirtschaftl. Abhandlungei 
der badischen Hochschulen). 3. Dr. Wilhelm Weis: Die Gemarkungs-, Boden- 
Bau- und Wohnungspolitik der Stadt Mannheim seit 1892; Karlsruhe, Braui 
1907 (IX. B., 2. Heft der vorgenannten Sammlung). 4. Verfassung und Ver 
waltungswesen der Städte, herausgegeben von Edgar Löhning (Schriften de 
Vereins für Sozialpolitik; erschienen: Preußen (2 Bände), Bayern, Sachser 
Württemberg, Baden und die Hansastädte, außerdem die Schweiz). 

Ich freue mich, konstatieren zu können, daß durch keine dieser Spezial 
Schriften ich mich zu einer Änderung meiner Ansichten gezwungen sehe. Icl 
finde sie im Gegenteil meistens bestätigt, was ich an entsprechender Stell 
noch besonders zeigen werde. 

Außer den aufgezählten Büchern habe ich noch folgende gedruckt 
Quellen ausgiebig benutzt. Die Schilderung der Entwicklung zur Stadt un« 
der städtischen Expansionspolitik beruht hauptsächlich auf Magistratsvorlage: 
an die Bürgerausschüsse der großen badischen Städte, für Mannheim speziell habe ic 
sehr viele Anregung in den Verwaltungsberichten des Stadtrats gefunden, dere 
Studium ich allen empfehlen möchte, die sich mit dem Wesen und Werde 
einer modernen Großstadt vertraut machen wollen. Für diese wie noch fü 
andere Zwecke sind öfter auch Gesetzentwürfe, parlamentarische Kommissions 
berichte und Verhandlungen herangezogen worden. 

Für die Entstehungsgeschichte der aufgeteilten Allmende, sowie für ihr 
Stellung in der kommunalen Finanz- und Sozialpolitik habe ich viel Tatsäch 
liches in zahlreichen Allmendprozessen gefunden, die in der »Zeitschrift ft 
badische Verwaltung und Verwaltungsrechtspflege« und im Organ des Badische 



* £. de Laveley: Das Ureigen tum; deutsche Ausgabe von Karl Bücher, Leipzig 1874 

2 A. v. Miaskowski : Die schweizerische Allmende in ihrer geschichtlichen Entwicklur 
(Schmollers Forschungen II. B., 4 Heft), Leipzig 1879. 

3 Dr. H. Rennefahrt: Die Allmende im Berner Jura (Gierkes Untersuchungen B. 74 
Breslau 1905. 



6 I. Kapitel. 

Ratschreibervereins »Der Bürgermeister« abgedruckt sind. Hier will ich einem 
Vorwurf entgegentreten, der dem AllmendgenuB oft mit Unrecht gemacht 
wird. Es heißt, die Allmende fördere die Prozeßsucht und stifte Unfrieden. 
Ich glaube, daß die Vertreter dieser Ansicht keine richtige Vorstellung von 
der Zahl der Genußinhaber haben. Es gab im Jahre 1854 in Baden allein 
fast 160000 Personen, die irgendwie an Bürgernutzungen interessiert waren. 
Nehmen wir diese Zahl als konstant für die 75 Jahre an, die seit Bestehen 
des kodifizierten Allmendrechts verflossen sind (Gemeindeordnung und Bürger- 
rechtsgesetz erschienen 183 1). Es fehlt mir jede Handhabe zur Berechnung, 
wieviel Millionen von Menschen sich in dieser Zeit im Genuß abgelöst haben, 
aber ich weiß, daß im Vergleich zu dieser gewaltigen Zahl lebendiger An- 
spruchträger die paar hundert Prozesse wohl nicht viel zu bedeuten haben. 
Übrigens haben diese in den letzten Jahrzehnten sehr nachgelassen. Auch 
waren sie vorher zum großen Teil durch unklare Fassung einiger Gesetzstellen 
veranlaßt worden. Besonderen Schaden hatte der im übrigen durchaus zweck- 
mäßige Paragraph 104 der badischen Gemeindeordnung angerichtet, welcher 
bestimmt, daß für die Art der Verteilung und der Benutzung in jeder Ge- 
meinde der unbestrittene Zustand vom 1 . Januar 1 83 1 maßgebend sein sollte. 
Unklar und von der Aufsichtsbehörde vielfach verschieden ausgelegt, war auch 
die Frage, ob dem einzelnen Berechtigten Gabholz in bestimmtem Umfang 
zukomme, oder ob nur der an die Gesamtheit abzugebende Satz einzuhalten 
sei. Im ganzen sind die Prozesse wegen des Gabholzes viel zahlreicher als 
die wegen der eigentlichen Allmende. Aber beide zusammen erreichen bei 
weitem nicht die Zahl der Rekurse und Beschwerden, dfe durch Steuerauflagen 
veranlaßt werden. 



Es ist ein Vorrecht der Jünger der Wissenschaft, ihre Erstlingsschrift 
mit einem Zitat einzuleiten oder abzuschließen. Auch ich will von dieser 
ehrwürdigen Übung nicht abweichen. Die Worte, mit denen ich mein Ver- 
hältnis zu der Allmende charakterisieren möchte, entnehme ich der Rede des 
Staatsrats Winter, der 1831 als Regierungskommissär die Entwürfe zu den 
oben erwähnten Gesetzen vor dem Landtag zu vertreten hatte. Seine 
Worte enthalten keine Feindschaft gegenüber der Institution, die sich bei der 
Landbevölkerung so trefflich eingebürgert hatte. Aber als kluger und nüchtern 
denkender Mann sah er wohl ein, daß die Allmende wegen ihres geringen Um- 
fangs nicht jene Bedeutung hatte, welche ihr auf allen Seiten des Hauses zu- 
gesprochen wurde. Es ist interessant, daß in letzter Hinsicht sich die Ver- 
treter ganz verschiedener Anschauungen begegneten, wie z. B. der »liberale 
Rationalist« Rolleck und der »historisch* denkende Rechtslehrer Mittermaier. 
Winter sagte: »Wenn wir aber unseren Blick von allgemeinen Betrachtungen 
auf die Tatsachen richten, so wird sich zeigen, daß vielleicht der Wert, der 
auf den AUmendgenuß gelegt worden, höher genommen wurde, als er es, 
wenigstens in der Allgemeinheit, zu sein verdient.« 1 



1 Verh. d. II. Kammer 1831, Beilage 2 S. 86. 



II. Kapitel. 

Entstehung der aufgeteilten Allmende. 

Büchers Ansicht, daß die zur Solidernutzung aufgeteilte Acker- und 
Wiesenallmende seit der Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden ist, bestätigt 
sich vollkommen durch die Mitteilungen meiner Enquete. Nur wenige Fälle 
sind aus älterer Zeit genannt. Andererseits reichen nicht viele über die Mitte 
des 19. Jahrhunderts hinaus. In diese 100 Jahre können wir auch im wesent- 
lichen ihre Bildung und Konsolidierung setzen. 

Von den rund 200 Gemeinden, die meine Umfrage beantwortet haben, 
konnten gegen 130 über deren erste Frage Auskunft erteilen. In 76 Fällen wird 
die Entstehung auf Beseitigung der gemeinen Weide und deren Aufteilung 
zurückgeführt. Freilich darf man selten bloß eine Ursache vermuten. Neben 
Aufteilung der Weide hat in den meisten Gemeinden (im ganzen 68 Fälle) 
noch Waldausstockung zur Bildung neuen Allmendlandes beigetragen. Im 
Überschwemmungsggebiet des Rheins kommt außerdem die Regulierung hinzu. 
Bach- und Flußkorrektionen, sowie Entsumpfungen trifft man noch öfter. Im 
ganzen werden Meliorationen dieser Art 17 mal genannt. 

Interessant ist nun die Verteilung auf die einzelnen Gebiete: 

Weide- Aus- Melio- 





gang 


Stockung: 


rationen : 


See u. Donaugegend (Südl. Hügelland) 


24 


5 


I 


Schwarzwald 


12 


3 


— 


Ebene 


40 


60 


16 



76 68 17 

In der Donaugegend (Amtsbezirke Meßkirch, Donaueschingen und Vil- 
lingen) fehlen Waldausstockungen fast vollständig. Nur in Riedöschingen wird 
ein Fall erwähnt und hier betrifft er auch nur etwa x /s der ungefähr 100 ha 
weiten Allmendefläche. Die übrigen vier Fälle aus dem Hügelland gehören 
den Bodenseegemeinden an. Die 24 Gemeinden mit Aufhebung des Weide- 
gangs verteilen sich schon gleichmäßiger über das ganze Gebiet. Auffallend 
ist immerhin der bedeutende Anteil, den sie in den oben genannten drei 
Amtsbezirken einnimmt. Von den 28 antwortenden Gemeinden dieser Gegend 
geben 18 Aufhebung an. Im Amtsbezirk Meßkirch sogar sämtliche sechs. 
Dabei ist sie hier meistens die einzige Entstehungsursache für die Ackerallmende. 



8 II. Kapitel. 

Die Entstehungszeit fällt durchweg ins 19. Jahrhundert, gewöhnlich der 
Mitte näher als dem Anfang; so in Wolterdingen 1830/31, Sunthausen 1834, 
Tannheim 1839, Oberbaldingen 1848, Aasen gar 1856 (alles Amtsbezirk 
Donaueschingen). Stellt man dem die Tatsache gegenüber, daß in der Donau- 
gegend immer noch über 5°/ Q der landwirtschaftlichen Nutzungsfläche ständige 
Weide sind, 1 so wird man sagen müssen, daß der Umwandlungsprozeß der 
Allmende hier noch nicht ganz abgeschlossen ist 

Daß die 1300 bis 1400 ha Allmendweiden , die nach der Erhebung 
von 1895 in der Donaugegend noch vorhanden waren, bald aufgeteilt werden, 
glaube ich kaum. Schon das Fehlen solcher Fälle in den letzten Jahrzehnten 
berechtigt zu Zweifeln. Die wirtschaftlichen Verhältnisse scheinen auch nicht 
dafür zu sprechen. Die wenig oder gar nicht zunehmende Bevölkerung ist 
mit Kulturland gesättigt. Ungunst des Klimas und Leutenot ziehen dessen 
Ausdehnung gewisse Grenzen. Auch dürfte die Viehzucht rentabler geworden 
sein als der Körnerbau, der hier doch hauptsächlich in Betracht käme. 
Schließlich ist zu bedenken, daß in diesem Gebiet fast g°/ der Ackerflur 
noch von der Brache eingenommen sind. Wäre Bedürfnis nach Land vor- 
handen, so müßte die Brache zuerst angebaut werden. 

Eine kleine Abnahme hat die Weide in den letzten 25 Jahren dennoch 
erlitten. In der Donaugegend weisen die Gemeindewälder eine fortwährende 
Zunahme auf, was zum Teil auf Kosten der Weiden geschieht. So wird aus 
Ippingen (Donaueschingen) berichtet, daß die ungefähr 50 ha große Weide 
aufgeforstet werden soll. Fr. Krutina hat für 1878 bis 1889 berechnet, daß 
die Gemeindewälder sich um 300 ha vermehrt haben. 3 Ich habe für die 
nächsten zwölf Jahre auf Grund der amtlichen Forststatistik festgestellt, daß 
die Zunahme sogar etwas größer war, nämlich 340 ha. Es ist meistens Öd- 
und Weideland, das auf diese Weise nutzbar gemacht wird. 

Eine ähnliche Entwicklung wie in der Donaugegend, nur noch viel deut- 
licher» finden wir im südlichen Schwarzwald, dem Hauptgebiet der Weide- 
wirtschaft. Ende der achtziger Jahre hatte die badische Regierung eine 
Kommission ernannt, um die Mittel zur »Erhaltung und Verbesserung der 
Weiden« zu studieren. Ihre Ergebnisse gipfelten in einer niederdrückenden 
Verurteilung der Schwarzwälder Weidebewirtschaftung. Durch Übersetzung mit 
Vieh und vollkommene Vernachlässigung waren die meisten Gründe ganz 
heruntergekommen. Die Kommission beantragt zum Zwecke der besseren 
Landausnutzung, auch aus wasserpolitischen Rücksichten eine weitgehende Auf- 
forstung der Weiden. In welchem Umfang diese Pläne verwirklicht worden 
sind, weiß ich nicht. Daß aber die tatsächliche Entwicklung sich in dieser 
Richtung bewegt, ersieht man aus dem Bericht selbst. Da wird eine Reihe 
von Weideaufhebungen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts genannt. 
Der größte Teil der gewonnenen Fläche wurde aufgeforstet. Einige Beispiele: 
Untermünstertal (Staufen) 1883 °i s l ^90 30 ha; Zastler (Freiburg) 1890 die 
Weiden, wovon nur ein kleiner Teil Allmende, zur Aufforstung bestimmt; 
Oberried (Freiburg) um 1850 25 ha; Lenzkirch (Neustadt) zwischen 1875 un< * 
1890 gegen 275 ha verhurstet und systematisch aufgeforstet. Kappel (Neu- 



1 Hecht, Seite 54. 

2 Hecht, Seite 54. 

3 Die badische Forstverwaltung und ihre Ergebnisse 1878 — 89, S. 110/12. 



Entstehung der aufgeteilten Allmende. q 

Stadt) in den 70er Jahren Weidegang größtenteils aufgehoben, blieben nur 72 ha 
Jungvieh weide, das andere, über 200 ha, aufgeforstet, nachdem ein Teil eine 
Zeit lang zur Sondernutzung verteilt gewesen war. Letzterer Umstand ist be- 
sonders interessant Er beweist, daß im Schwarzwald kein Bedürfnis nach 
neuem Kulturland vorhanden ist und daß die Waldnutzungen den Gemeinden 
höhere Erträge liefert. Gleichzeitig vollzieht sich eine fortwährende Aus- 
dehnung der Stallfütterung. »Wie überall, wo für die Milchprodukte ein guter 
Absatz gefunden wird, vollzieht sich von selbst, wenn auch langsam, Über- 
gang zur Stallfütterung«, heißt es im Kommissionsbericht für Oberried. Und 
ein sicheres Zeichen, »daß es mit der Weidewirtschaft nach und nach ein 
Ende nehmen wird«, erblickt die Kommission im Umsichgreifen der Verhurstung 
und Verunkrautung (Seite 28, 29). 

In manchen Schwarzwaldgemeinden wird über Mangel an Dung geklagt« 
der auf der Weide verloren gehe. Aufgabe der Weide bringt daher eine 
intensivere Bewirtschaftung des Acker- und Wiesenlandes mit sich. 

Die meisten Weideteilungen fallen hier in die erste Hälfte des 19. Jahr- 
hunderts: Schönau 18 10 bis 1830, Todtmoos 1826, Löffingen (Neustadt) 1830 
bis 1837, Häusern (St. Blasien) 1845 bis 1846, Waldkirch 1840 bis 1850 x . 
Aus späterer Zeit kenne ich nur einen Fall, und zwar in Untermünstertal zwi- 
schen 1883 °k 1890. Die Umstände, unter welchen dies geschah, sind für 
die Verhältnisse des südlichen Schwarzwaldes so bezeichnend, daß ich sie etwas 
näher mitteilen will. 1841 hatten die Bürger beschlossen, die 1795 Morgen 
(648 ha) große Weide zu Eigentum aufzuteilen. Auf Anraten des Bezirksamts 
begnügte man sich jedoch, die Anteile als Allmende zur Nutzung auszugeben. 
Die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde war aber hierfür offenbar noch 
nicht genügend reif, denn man gab vorläufig nur die Hälfte der Anteile aus 
(ein Morgen auf den Kopf). Das andere überließ man auch fernerhin der 
Weide. So blieb es 40 Jahre. Als nun in den achtziger Jahren die Bürger 
den zweiten Morgen beanspruchten, meinte der Gemeinderat, daß angesichts 
der heutigen Bedeutung der Viehzucht und des Zurückgehens des 
Fruchtbaues eine Umwandlung der Weide unzweckmäßig sei. Dieser Be- 
scheid wurde von den Gerichten aus juristischen Gründen verworfen und die 
Leute bekamen ihr Land, von dem aber in sieben Jahren nur 130 ha an- 
gebaut wurden. 

Man muß auch in diesem Gebiet nach Gegenden unterscheiden. Der 
südliche Teil des Amtsbezirks Schönau mit seiner industriellen Entwicklung 
und zunehmenden Bevölkerung braucht mehr Kulturland und deshalb hat hier 
die Aufhebung des Weidelands Vermehrung von Acker von Wiese gebracht, so 
z. B. in Atzenbach nach 1868. Der Weidegang hat hier übrigens schon ganz 
aufgehört In den nördlichen Gemarkungen war schon 1890 ein Stillstand 
und teilweise ein Rückgang festgestellt. Im letzten Falle aber zugunsten der 
Forstfläche. 

Es ist eigentlich überflüssig, noch zu bemerken, daß Waldausstockungen 
im ganzen Schwarzwald im 19. Jahrhundert so gut wie kein neues Allmend- 
land geliefert haben. Sind doch in den Jahren 1890 bis 1901 nur 95 ha 
Gemeindewald abgeholzt worden, denen 350 ha Neuanlagen gegenüberstehen. 



x Alles auf Grund der Enquete. 



IO H. Kapitel. 

Im Schwarzwald, besonders im südlichen und mittleren, ist die aufgeteilte 
Allmende als Begleiterscheinung des Übergangs zur Stallfütterung entstanden. 
Dieser Übergang hat aber geringen Umfang gehabt. Heute noch nehmen 
Wald und Weide den größten Teil der Gegend ein. Seit der Mitte des 
19. Jahrhunderts ungefähr hat die Aufforstung begonnen, die Aufteilung zur 
Sondernutzung zu verdrängen, gegenwärtig kommt letztere gar nicht mehr vor. 
Ähnlich wie im Donaukreis ist die Bevölkerung mit Feld versorgt. Dafür 
sprechen auch die geringen Pachtziffera. Und sehen wir wiederum die Brache 
an, so zeigt sich, daß der Umfang noch größer ist als in der Donaugegend, 
nämlich 9,3 °/ x . Es ist also eine Vermehrung der aufgeteilten Allmende in 
der Zukunft auch hier nicht zu erwarten. 

Wie ganz anders wirken und verhalten sich zueinander die verschiedenen 
Faktoren der Allmendebildung in der Ebene. Von 125 Gemeinden haben 82 
darüber Auskunft erteilt. In ihnen kommt Aufhebung des Weidegangs in 
39 Fällen erst an zweiter Stelle. Die erste nehmen die 60 Fälle der Wald- 
ausstockungen ein. Meliorationen werden 16 mal erwähnt, übrigens viel zu 
wenig; denn die meisten Gemeinden, deren Gemarkungen ganz oder teilweise 
im ehemaligen Überschwemmungsgebiet des Rheins liegen, haben dessen Kor- 
rektion mehr oder weniger Allmendland zu verdanken. Auch sonst sind die 
Mitteilungen unvollständig. So ist in Mittelbaden der Anteil der Waldrodungen 
besonders stark. Im 18. Jahrhundert befanden sich dort umfangreiche mark- 
genossenschaftliche Wälder. Da war zunächst der Korker Wald (auch Maiwald, 
Fünfheimburgerwald genannt), bekannt durch seine schöne, an die Antike 
erinnernde Stiersage. An ihm hatten allein im Amtsbezirk Kehl 13 Gemeinden 
teil, außerdem noch mehrere aus den Amtsbezirken Bühl, Achern und Offen- 
burg. An der Grenze der Amtsbezirke Achern und Bühl lag der Markwald, 
dessen Name heute noch in den »Marklose« genannten Allmendeanteilen 
mehrerer Orte fortlebt Auch im Amtsbezirk Offenburg bestand noch bis 
1823 ein Genossenschaftswald, der sogenannte Zeller Wald. Obschon die 
Teilungen dieser Wälder, die im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts erfolgten, 
große Streitigkeiten und langwierige Prozesse zur Folge hatten, ist die Erinne- 
rung an jene Zeit schon dermaßen verblaßt, daß sie in meiner Enquete nur 
wenig erwähnt werden. Die näheren Umstände habe ich aber aus den zahl- 
reichen Prozeßberichten kennen gelernt. Auch über Bedeutung der Korrektionen 
standen mir noch andere Quellen zur Verfügung. Nur für die Rolle, die die 
Aufhebung des Weidegangs gespielt hat, bin ich fast ausschließlich auf meine 
Enqueten angewiesen. Sie reichen gerade noch aus, um das Verständnis der 
großen Linien dieses interessanten Vorganges zu ermöglichen. 

Soweit ich übersehen kann, sind in den einzelnen Teilen der badischen 
Rheinebene, die sich immerhin fast über drei Breitegrade erstreckt, keine 
großen Unterschiede vorhanden.- In südlichen wie nördlichen Teilen herrscht 
ziemlich parzellierter Grundbesitz mit starkem Handelsgewächsebau. Überall 
dichte Bevölkerung, die zur Gewinnung von Kulturland fortwährend neuer Aus- 
stockungen bedarf. Diese sind im 19. Jahrhundert äußerst zahlreich. Weide- 
teilungen liegen dagegen meistens einige Jahrzehnte zurück, denn mit ihrer 
Hilfe war zuerst die große Nachfrage nach Kulturland befriedigt worden, die 

* Hecht, S. 54. 



Entstehung der aufgeteilten Allmende. I j 

sich infolge starker Bevölkerungszunahme im 18. Jahrhundert geltend ge- 
macht hatte. 

In der Pfalz fällt die häufige Zurückführung der Ackerallmende auf 
Waldausstockungen auf. Dies hängt mit dem Tabak- und Hopfenbau zusammen. 
Als in den vierziger Jahren der Bau von Handelsgewächsen bedeutend zunahm 
und in den sechziger Jahren seinen Höhepunkt erreichte, glaubten die Pfälzer, 
nun ihre ganze Wirtschaft diesem neuen Zweig anpassen zu können. Alles 
verfügbare Land wurde damit angebaut und viele Wälder abgeholzt. Daher 
z. B. der kleine Waldbesitz der Schwetzinger Gemeinden. So entstanden 
ferner der größte Teil der Kirchheimer Allmende, Amtsbezirk Heidelberg. Mit 
dem Rückgang des Anbaues der Handelspflanzen ist der Nutzungswert der 
Lose stark gesunken. In Kirchheim sind die Berechtigten froh, einen großen 
Teil des Feldes an den Militärfiskus und an die Waghäusler Zuckerfabrik ver- 
pachten zu können x . 

Durch die Rheinkorrektion konnten in den Amtsbezirken Lahr, Offen- 
burg, Kehl, Rastatt und Bruchsal viele minderwertige Faschinenwälder durch 
Kulturland ersetzt werden, in diesem Falle haben also verschiedene Ursachen 
zur Bildung von Allmendland beigetragen, und es fällt manchmal schwer, sie 
aus den Angaben der Enquete heraus zu erkennen. Eine Gemeinde ist über- 
haupt oft im Zweifel, wie sie die Entstehung bezeichnen soll. Da hatte nun 
in einem Walde sehr umfangreiche Weide bestanden und vielleicht die Holz- 
nutzung an Wert übertroffen. Nun wird der Waid ausgestockt und zur Sonder- 
nutzung verteilt. Ist jetzt die Allmende auf Ausstockung oder Aufhebung der 
Weide zurückzuführen? 

Fehlen sonstige Angaben, so kann man mit ziemlicher Sicherheit an- 
nehmen, daß die zusammenhängende nicht über der ganzen Gemarkung zer- 
streute Allmende ursprünglich Wald gewesen ist. Forsten sind eben eine 
Kulturart, deren Bewirtschaftung geschlossene Flächen verlangt. Von Gemeinden 
meiner Enquete haben etwa 40 bis 45 zusammenhängenden Allmendbesitz. 
Nur 31 von ihnen konnten über Entstehung Auskunft erteilen. In 20 Fällen 
wird als Ursache Waldausstockung genannt. Weideteilung in neun und Kor- 
rektion in zwei Fällen. Von diesen 31 Gemeinden liegen 23 in der Ebene. 
Bei ihnen wird Ausstockung 15 mal und Weideteilung siebenmal genannt. 
Dies stimmt also sehr gut mit dem zusammen, was ich oben über die Rolle 
der Waldausstockung in der Ebene überhaupt ausgeführt habe. 

Ausstockungen von Gemeindewäldern haben noch nicht aufgehört, ob- 
schon man in der Gegenwart über die Rentabilität der Forsten ja ganz anders 
denkt als vor 50 und 60 Jahren. 1890 bis 1901 wurden im Rheintal nach 
Angabe der Forststatistik 798 ha Gemeindewälder ausgestockt und 377 ha 
neu angelegt, also eine Abnahme von über 400 ha. In Wahrheit ist die Ab- 
nahme noch etwas größer. Während nämlich die Ausstockungen effektiv sind, 
handelt es sich bei Anlagen oft nur um Neukatastrierung von Gelände, das 
aus irgend einem Grunde noch nicht als Forstfläche registriert war. 

Die Trennung von Gebirge und Ebene ist sehr wichtig, um die nach 
Art, Zeit und Intensität verschiedenen Faktoren, welche die aufgeteilte Allmende 
gebildet haben, zu erkennen. Aber der Unterschied zwischen den beiden 
Gebieten ist kein absoluter, ebensowenig wie der zwischen Berg und Tal über- 

1 Vgl. S. 32. 



12 II. Kapitel. 

haupt. Nicht allein die klimatischen Verhältnisse lassen die Landwirtschaft 
der Gebirgsgegenden von der der Ebene so anders erscheinen. Die Höhen- 
unterschiede wirken auch an sich mit, als Entfernungsmoment, als zeit- und 
kraftfressender Faktor. Man braucht aber nicht gleich an Thünen zu denken, 
um zu sehen, daß die Entfernung auch in der Ebene die größte Bedeutung 
hat. Auf diesen gemeinsamen Nenner gebracht, zeigen nun die großen Linien 
der Entwicklung in den beiden Gebieten nicht nur Unterschiede, sondern auch 
Ähnlichkeiten. Hier wie dort werden die dem Wohnort nächsten Grundstücke 
urbar gemacht, die weiter bzw. höher gelegenen dem Weidegang überlassen. 
Daher sehen wir, sowohl unten wie im Gebirge, daß, nachdem der Weidegang 
aufgehoben worden war, die aufgeteilte Allmende so oft an den Außenschlägen 
der Gemarkung bzw. auf ziemlicher Höhe zu liegen kam. Hier zeigt sich die 
merkwürdige Erscheinung, die im Wirtschaftsleben oft vorkommt, daß innerhalb 
kleiner Kreise sich das Bild des sie umfassenden größeren Kreises wiederholt. 
In unserem Fall verhalten sich Innen- und Außenschläge bzw. Talsohle und 
Hänge im Kleinen genau so wie Ebene und Gebirge im Großen. 

Dies freilich nur im allgemeinen. In der Ebene spielen oft andere 
Momente mit, die bei den durchschnittlich nicht allzugroßen Gemarkungen den 
Entfernungsfaktor stark paralysieren können. Vor allem die Bodenunterschiede, 
dann Wasserverhältnisse usw. Auch ist die historische Entwicklung zu berück- 
sichtigen. Die Urbarmachung ging doch nur stückweise vor sich und durchaus 
nicht auf Kosten des Weidelandes allein. Dieses hatte oft eine natürliche 
Lage, von Wald oder Bach begrenzt und konnte nicht gut verlegt oder ver- 
schoben werden. Daher überwiegen in früherer Zeit Waldrodungen bei weitem 
den Umbruch der Weide. Daher und darauf kommt es hier mehr an, lag, 
entgegen aller Theorie, soviel Kulturland in viel größerer Entfernung vom Dorf 
als die Weide. Als aber diese letzte aufgehoben wurde, fielen den Berech- 
tigten neue in nächster Nähe des Dorfes befindliche Acker- und Wiesen- 
felder zu. 

Ganz programmäßig verläuft dagegen der Prozeß im Gebirge. Da wird 
zunächst die Talsohle als Acker oder Wiese kultiviert. Bei weiterem Bedarf 
nimmt man die besten Lagen der Hänge in Angriff. Hat sich ein Dorf zur 
Stadt entwickelt, so zieht sich die Weide immer mehr auf das Gebirge zurück* 
So werden die Vorgänge in der Schweiz von Miaskowsky und Rennefahrt 
beschrieben. Letzterer schildert sehr anschaulich (S. 46 bis 59), wie sich im 
16. Jahrhundert durch zunehmende Bevölkerung und höhere Intensität der 
Wirtschaft die Wechselwirkung von Getreidebau und Viehzucht gestaltet. Dort 
wird auch gesagt, daß in Städten, wo der Bürger nicht mehr die Möglichkeit 
hatte, Ackerbau und Viehzucht zu treiben, die Milch- und Käseproduktion 
auf die höher gelegenen Stadtalpen zurückgedrängt wurde und daß nur das 
unentbehrliche Milchvieh auf der Allmende blieb. 

Da in der Schweiz die Alpen seit jeher einen weit größeren Umfang 
hatten, als die Allmendweiden im Schwarzwald, so ist es natürlich, daß auch 
sie in viel größerem Maße das nötige Kulturland lieferten. Im Schwarzwald 
wurden die Äcker offenbar schon bei der ersten Besiedelung zu Eigentum aus- 
gegeben, nur die Weide blieb Gemeinbesitz. Erst im 19. Jahrhundert begann 
mit dem Rückgang der Weidewirtschaft die Anrodung der eigentlichen Allmende. 
Daher, ich wiederhole dies hier noch einmal, das viel häufigere Auftreten der 



Entstehung der aufgeteilten Allmende. 13 

Ackerallmende in steilen Berglagen, die bis zur neuen Zeit eben für den Vieh- 
austrieb reserviert waren. 

Das Ergebnis dieser historischen Übersicht fasse ich dahin zusammen, 
daß der Bildungsprozeß der aufgeteilten Allmende im wesentlichen abgeschlossen 
ist. Die Weiden der Ebene gehören der Vergangenheit an. Die Gemeinde- 
waldungen liefern hier zwar noch in sehr geringem Maße landwirtschaftliches 
Gelände, aber es bleibt gewöhnlich reines Gemeindegut oder wird in selteneren 
Fällen an Private verkauft Im Schwarzwald und im Hügelland nehmen da- 
gegen die Wälder an Umfang zu und verschlingen den größten Teil jener 
Weiden, die dem Viehgang entzogen werden. Die Genußinhaber (ich greife 
etwas vor) werden für ihre Nutzungsrechte entschädigt, vor allem durch Aus- 
sicht auf späteren Holzbezug. Aber dennoch machen die Gemeinden damit 
gute Geschäfte, denn auf dem Boden der aufgeforsteten Weiden erzielen sie 
viel höhere Erträge, welche ihren Finanzen sehr zustatten kommen. 



III. Kapitel. 

Einige Beiträge zur Kenntnis der heutigen Allmend- 

verfassuhg. 

i. Verbreitung der aufgeteilten Allmende in Baden nach natürlichen 

Gebieten. 

(Auf Grund der Zählung von 1895). 



Die landwirtschaftliche Zählung von 1895 ergab 1 für Baden in 236000 
Betrieben eine Gesamtfläche von 1 o 1 2 000 ha, wovon landwirtschaftlich be- 
nützt 745 000 ha. Der Allmendbesitz betrug nach Angaben der Landwirt- 
schaftskarte, d. hd der Betriebsinhaber 3 1 000 ha. Diese Zahl ist um einige 
Tausend entschie en zu niedrig, was sich ergibt, wenn man sie mit den Angaben 
der Gemeindebehörden, den sogen. Gemeindebogen vergleicht 2 . Die letzten 
sind wiederum zu hoch, da sie sehr oft reines Gemeindeland enthalten. Ähn- 
liches hat für Württemberg Finanzrat Losch, Verfasser der ausgezeichneten Be- 
arbeitung des dortigen Zählungsmaterials festgestellt 3. Wenn man das 
Mittel nähme, würde man der Wahrheit vermutlich näher kommen. Hier muß 
ich mir jedoch eine Korrektur versagen und benutze die Zahlen der Land- 
wirtschaftskarte, wie sie sind. Es sollen ja Verhältniszahlen zu ebenfalls auf 
Angaben der Betriebsinhaber beruhenden landwirtschaftlich genutzten Flächen 
gewonnen werden, bei denen dieselben Fehlerquellen zum Teil sicherlich vor- 
handen sind. 

Ellering hat den Prozentsatz der Allmende zu berechnen versucht 4. 
Abgesehen davon, daß er dies amtsbezirksweise tut, Gebirge und Ebene ver- 
mischend, begeht er einen prinzipiellen Fehler, indem er die Allmende in 
Verhältnis zur bewirtschafteten Gesamtfläche setzt. Diese umfaßt jedoch nicht 
nur Öd- und Unland, sondern vor allem auch Forsten. Die Allmende besteht 
dagegen aus Acker und Wiese, neben ganz geringem Teil von Reb- und 
Gartenland. Man darf aber nur Vergleichbares vergleichen. Ellering hat denn 
auch für den Landesdurchschnitt eine zu niedrige Zahl herausbekommen: 



1 Alles in runden Zahlen. 

2 Ellering S. 73, 74. 

3 Württ. Jahrb., Ergänzungsband I, III. 

4 A. a. O. S. 92 (Tabelle IH). 



Einige Beiträge zur Kenntnis der heutigen Allmendverfassung. 



I « 



3,1 °/o. Nehmen wir dagegen die landwirtschaftlich genützte Fläche, so ergib 
sich 4,2 °/ . Die Tabelle I zeigt, daß in einzelnen Gegenden der Satz nocl 
bedeutend steigt. 

Tabelle I. Anteil der aufgeteilten Allmende an der landwirtschaftlicher 

Anbaufläche in Baden. 



Landesgegenden 



Anbaufläche 
ha 



Allmende 



ha 



%> 



Seegegend 

Donaugegend 

Südlicher Schwarzwald 

Übriger Schwarzwald 

Obere Rheinebene (mit d. Kaiserstuhl) 

Mittlere Rheinebene 

Untere Rheinebene 

Pfinz- und Kraichgau ..... 

Bauland 

Odenwald 

Zusammen . . . 



62 000 
77 000 
82000 
86000 
64000 
93000 
73000 
80000 
96000 
31 000 



744000 



2 200 

4400 

3200 

900 

1 800 

8800 

8 700 

600 

500 

300 



31 000 



3.5 
5>7 
3,9 
1,0 
2,8 
9,5 
11,9 
0,8 

0,5 
1,0 



4,2 



Durch die Scheidung nach Ebene und Gebirge erkennt man erst der 
Standort des Allmendbesitzes. Der Amtsbezirk Achern hat eine land Wirtschaft 
lieh genützte Fläche von 9100 ha, auf die ebenen Gemeinden kommei 
6550 ha. Der Prozentsatz der Allmende (1000 ha) macht 1 1 % aus. Ihn 
wahre Bedeutung für den Amtsbezirk erkennt man erst, wenn man sieht, dal 
sie nur in den Ebenegemeinden vorkommt, wo sie fast 15,2 °/ der Anbau 
fläche einnimmt. Ähnlich auch in Bruchsal: landwirtschaftliche Anbaufläche 
21300 ha, davon Allmende rund 2200 = 10,3 °/ . Fast alles (2050 ha 
gehört der Ebene an, auf deren Anbaufläche sie 1 4,2 % ausmacht. Die Bei 
spiele ließen sich häufen. 

Jedenfalls ersieht man aus der Tabelle, daß die Hauptdomäne des auf 
geteilten Allmendbesitzes die Rheinebene von Emmendingen bis Weinheim ist 
In dieses Gebiet gehören über 56% des badischen Allmendlandes, innerhall 
der Anbaufläche nimmt es 1 0,8 °/ ein , also mehr als das Zweieinhalbfache 
des Landesdurchschnitts. 

Auch auf diesem engeren Gebiet ist das Verhältnis nicht überall gleich 
Während im Amtsbezirk Baden von 2400 ha Anbaufläche nur 160 ha Allmende 
sind (6,7 °/ ), in Emmendingen von 17000 ha 900 ha (5,3%) und in Wald 
kirch gar von 740 ha nur 13 ha (1,8%), sind die Zahlen für Bruchsal, wie 
erwähnt, 14,2% und für Achern 15,2 °/ . In Ettlingen kommen auf 4700 hj 
Anbaufläche 850 ha Allmende (18,1%), das höchste Prozent weist der gan: 



!Ö III. Kapitel. 

in die Ebene fallende Amtsbezirk Karlsruhe mit 2550 ha Allmende auf, bei 
12 100 ha Anbaufläche (21,1 %). Hier finden wir auch jene all mend reichen Dörfer 
Liedolsheim und Rußheim, in denen fast 50% der Anbaufläche Allmende ist 

Über dem Landesdurchschnitt steht das Prozent der Allmende noch in 
der Donaugegend, was mit den ziemlich zahlreichen und bereits besprochenen 
Teilungen der Gemeinden zusammenhängt x . Im südlichen Schwarzwald ist 
es nicht viel unter dem Landesdurchschnitt. Daß hier die aufgeteilte Allmende 
an und für sich geringere Bedeutung hat, liegt, wie erwähnt 2 , am landwirt- 
schaftlichen Charakter der ganzen Gegend. Vorherrschende Bedeutung kommt 
dem Acker- und Wiesen land wieder in der Seegegend zu, wo aber das Allmend- 
land relativ abnimmt. 

Noch mehr sinken sein Anteil und Bedeutung in dem so fruchtbaren 
Teil der oberen Rheinebene. Nur im Amtsbezirk Breisach übersteigt er mit 
5 °/ den Durchschnitt, sonst bleibt er erheblich darunter und fehlt in einigen 
Amtsbezirken fast ganz (Säckingen, Waldshut, Müllheim und Lörrach). 

In den übrigen Landesteilen ist die Allmende mit Ausnahme einiger 
Gemeinden so gut wie bedeutungslos. 



2. Klassifizierung der badischen Allmendgemeinden nach Umfang 
ihres Allmendbesitzes. 

(Auf Grund der Zählung von 1895.) 

Wie groß ist die Zahl der Gemeinden mit aufgeteiltem Allmendbesitz ? 
Eine Beantwortung dieser Frage ist nicht so einfach, wie es auf den ersten 
Blick erscheint. Die amtliche Statistik rechnet jeden Ort, in dem sich auch 
nur ein landwirtschaftlicher Betrieb mit Allmendbesitz nachgewiesen hat, zu 
den Allmendgemeinden. Auf diese Weise konnten in Württemberg 695 und 
in Baden 658 Gemeinden ermittelt werden. Diese Zahlen geben aber kein 
der Wirklichkeit entsprechendes Bild. In vielen Gemeinden besteht der Allmend- 
besitz nur aus einem Pfarr- und Schullos, das zwar oft ein Rest verschwundener 
Allmende, nach seiner rechtlichen und wirtschaftlichen Bedeutung aber nur 
noch als in natura gezahlter Teil des Gehalts anzusehen ist. In anderen 
Gemeinden pachten einige Leute Land auf Nachbargemarkungen, das zufällig 
Allmende ist und das sie irrigerweise in der Zählkarte ebenfalls als solches 
bezeichnen. Will man eine Gruppierung der Allmendgemeinden nach Umfang 
ihrer Allmende vornehmen, so müssen die Gemeinden mit kleinsten Anteilen 
ausscheiden. Die Grenzbestimmung ist willkürlich« Um ganz sicher zu gehen, 
habe ich in der folgenden Übersicht (Tabelle II) alle Orte mit weniger als 
10 ha aufgestellte Allmende weggelassen. 

Es verbleiben dann in Baden 476 Gemeinden mit rund 30500 ha 
Land und 67 300 Inhabern. Wie bedeutungslos der Allmendbesitz der aus- 
geschiedenen Gemeinden ist, ersieht man daraus, daß in die nicht ganz 900 ha 
fast 8500 Inhaber sich teilen müssen, also fast zehn Personen auf einen Hektar. 
Beim gesamten Allmendbesitz kommen aber zweieinhalb Personen auf einen 
Hektar. 



* Siehe S. 7, 8. 

* Siehe S. 8. 




Einige Beiträge zur Kenntnis der heutigen Allmendverfassung. ^ N ^- V-V -- -^ , 

Tabelle II. Gemeinden nach Größenklassen der Allmendfläche 

geordnet. 



Gemeinden mit einer 
Allmendfläche von 


Zahl 

der 

Gemeinden 


Allmend- 
fläche 
ha 


Zahl der 
Allmend- 
betriebe 


Durch- 

schnittl. 

Anteil 

ha 


Zahl der 
Allmend- 
betriebe in 
1 Gemeinde 


i. 


2. 


3- 


4- 


5- 


6. 


II — 20 ha . . . 
21 — 40 ha . . . 
41 — 100 ha . . . 
101 — 200 ha . . 
über 200 ha . . . 

Zusammen . . 


99 
135 
162 

55 
25 


1539 

3 96l 

10610 

7 544 
6803 


6825 
13323 
25 437 
12965 

8710 


22 
30 
42 
58 
78 


69 

99 

157 

236 

348 


476 


30 457 


67 270 


45 


141 



Bemerkenswert ist die relative Zunahme der Genußinhaber in den höherei 
Klassen. Dies beweist, was an und für sich nicht unbedingt notwendig wäre 
daß die größten Gemeinden auch die größten Allmendflächen haben — ein< 
bevölkerungspolitisch sehr wichtige Erscheinung, denn sie zeigt, daß der Ab 
Wanderung der Bevölkerung aus den kleinsten Gemeinden Rücksichten au 
Allmendnutzungen in geringerem Maße entgegenstehen. J 

Die größeren Gemeinden haben nicht nur absolut den größten Allmend 
besitz; auch die einzelnen Anteile nehmen (Tabelle II Spalte 5) mit der höherei 
Klasse zu. Sie betragen 22 a in Gemeinden von 11 bis 20 ha, um be 
denen mit über 200 auf 79 a zu steigen. Lehrreich ist auch eine Unter 
suchung, welchen Anteil die Allmende an der Anbaufläche in den einzelnei 
Größenklassen hat. Ich habe dafür die zusammenhängenden Amtsbezirk« 
Rastatt, Ettlingen, Karlsruhe und Bruchsal genommen, und zwar in den dre 



Tabelle III. Gemeinden nach Größenklassen der Allmendfläche 

geordnet 



Klasse mit Hektar 


Anbau- 
fläche 


Allmend- 
fläche 


Prozent 

der 
Spalte 2 

zu 1 


Einwohner 

im 

ganzen 


Einwohner 
auf eine 
Gemeinde 


1. 


2. 


3- 


4- 


5- 


41 — 100 (20 Gemeinden) . 
10 1 — 200 (9 Gemeinden) . 
über 200 (13 Gemeinden) . 


"315 

6 136 

II 928 


1379 
1364 
3890 


12 
22 
33 


29 154 
20699 

30 152 


1458 
2300 
2320 



1 Dies gegen v. Zwiedineck, Festschrift für Neumann, S. 70. 
Eliasberg, Bedeutung de« AUmendbetitzes. 



j8 III. Kapitel. 

höchsten Klassen 41 bis 100, 10 1 bis 200 und über 200 ha. Das höchste 
Prozent entfällt wiederum auf die höchste Klasse (Tabelle III). 

Die vorherrschende Bedeutung der großen Gemeinden ergibt sich eben- 
falls, wenn man die Einwohnerzahl der obigen Klassen vergleicht. Die Ge- 
meinden der Gruppe 41 bis 100 ha haben im Durchschnitt 1458 Einwohner, 
die der beiden höheren aber 2300 und 2320 Einwohner (Tabelle III). 

Ganz in gleichem Sinne sprechen die Zahlen der Gemarkungsgrößen. 
In den »100 Gemeinden« 1 betragen die Gemarkungen durchschnittlich 

bei 23 Gemarkungen unter 1000 Einwohner . . 396 ha, 

»38 » mit 1 — 2000 Einwohnern. 829 » 

»26 » » 2 — 3000 » . 1 167 » 

»13 » über 3000 » . 1629 » 

Bei näherem Zusehen erscheint dies Ergebnis ganz natürlich. Die auf- 
geteilte Allmende ist aus Wald und ständiger Weide entstanden. Die größeren 
Gemarkungen hatten umfangreichere Wald- und Weideflächen und sie konnten 
auch (unter ähnlichen wirtschaftlichen und klimatischen Verhältnissen) eher 
eine größere Menschenzahl beherbergen. 



3. Anbauverhältnisse. 

Die amtlichen Zählungen versagen leider vollständig, wenn es sich um eine 
Anbaustatistik des Allmendbesitzes handelt. Die ältere badische Erhebung von 
1873 mit ihren übermäßig großen Zahlen ist ebenso unzuverlässig wie die von 
Ellering benutzten Angaben des Gemeindebogens von 1895. Im letzteren 
sind Allmendf eider mit reinem Gemeindeland bunt durcheinandergeworfen. 
Wenn man auch mit Hilfe des Rechenstiftes den Umfang der Allmende 
ungefähr bestimmen kann, so ist es für die Kultur ganz unmöglich. Ich 
habe mich daher im folgenden ausschließlich an die Angaben meiner Enquete 
halten müssen. 

Nur 130 Gemeinden haben über Kulturart ihrer Allmende Mitteilung 
gemacht. Es fehlen leider Orte mit reichem Allmendbesitz, wie Villingen, 
Freistett (Kehl), Oberhausen (Bruchsal), Weinheim, Hemsbach (Weinheim) usw. 
Am ungenauesten sind die Zahlen der Gemeinden mit mehreren Genußklassen. 
Diese sind gerade in der Ebene sehr zahlreich, daher ist die ausgewiesene 
Allmendfläche verhältnismäßig klein, rund 15000 ha, im Durchschnitt 120 ha. 
Davon sind 9500 ha Acker und 5500 ha Wiesenland, in Prozent: 64 und 36. 
Dieses Verhältnis besteht nur im großen und ganzen. Zwischen den einzelnen 
Amtsbezirken herrschen wiederum die größten Unterschiede. Im Amtsbezirk 
Rastatt sind 1246 ha Acker und 263 ha Wiesen, in Ettlingen und Durlach 
zusammen dagegen 312 ha Acker und 663 ha Wiesen. Noch schroffere 
Gegensätze zeigen sich von Gemeinde zu Gemeinde. In Marien (Offenburg) 
besteht das 360 ha große Allmendland ausschließlich aus Acker, im Nachbarort 
Willstätt (Kehl) sind 65 ha Allmende, wovon 56 ha Wiesen; Niederschopfheim 
(Offenburg) hat nur 120 ha Wiesen, das unferne Schuttern (Lahr) neben 58 ha 
Wiesen noch 180 ha Acker usw. Es empfiehlt sich daher, das Material nach 

1 Siehe S. 4. 



Einige Beiträge zur Kenntnis der heutigen Allmendverfassung. 



IC 



größeren Gebieten zu gruppieren, wozu wir uns der bewährten Einteilung nacl 
Landesgegenden bedienen wollen. 

Tabelle IV. Umfang der Allmendfläche. 



Landesgegend 


Überhaupt 


Acker 


Wiese 


Spalte 3 
in Proz. 

der 
Summe 

von 
Spalte 3 


Spalte 5 
in Proz. 


Hektar 


in Proz. 

der 
Spalte 2 


Hektar 


in Proz. 

der 
Spalte 2 


der 
Summe 

von 
Spalte 5 


i. 


2. 


3- 


4- 


5- 


6. 


7- 


8. 


Seegegend. . . . 


I 267 


752 


59 


515 


41 


7,9 


9,5 


Donaugegend . . . 


1575 


1172 


74 


403 


26 


12,4 


7,5 


Südl. Schwarzwald . 


618 


588 


95 


30 


5 


6,3 


0,5 


Obere Rheinebene . 


897 


530 


59 


367 


41 


5,6 


6,8 


Mittlere Rheinebene 


5 029 


3226 


64 


1803 


36 


34.2 


33,o 


Untere Rheinebene . 
Zusammen . . 


5 50I 


3169 


58 


2332 


42 


33,6 


42,7 


14887 


9437 


63 


5450 


37 


100 


100 



Auffallend ist der hohe Prozentsatz des Wiesenlandes, der weit höhe 
ist als bei der allgemeinen Anbaustatistik. Dies erkläre ich mir folgender 
maßen: Als man die Gemeinde aufhob, hatte man einen größeren Bedarf ai 
Wiesen, wegen der neueingeführten Stallfütterung. Das Zurücktreten der Wiesen 
allmende im Donaugebiet, und dessen Fehlen so gut wie ganz im südliche] 
Schwarzwald, hängt wohl mit den noch zahlreichen Allmendwiesen zusammen 
In der Ebene, wo der größte Teil der nachgewiesenen Flächen liegt, näher 
sich das Verhältnis von Acker und Wiese dem Durchschnitt der sechs Gebiete 
Acker und Wiese sind nicht die einzigen Verwendungsarten für die Allmende 
Würde ich die großen Quantitätsverhältnisse aus dem Auge verlieren, un< 
wollte nur Wirtschaftsformen suchen, so könnte ich an der Allmende dl 
größte Mannigfaltigkeit der landwirtschaftlichen Nutzung nachweisen. Handels 
gewächse und Brachweide, Reben und Reutfeld — alles ist vorhanden. Die 
im einzelnen zu zeigen, hätte aber nur Wert, um der Meinung entgegenzu 
treten, als ob die Allmende eine Besitzform sei, die an und für sich gewiss* 
Kulturarten nicht duldet. Nur aus diesem Grunde will ich hier zum Tei 
vorweg nehmen, was erst zum nächsten Kapitel gehört. 1873 wurden ii 
einer Reihe badischer Gemeinden 623 Morgen Allmendreben gezählt. Di 
meisten der damals genannten Orte haben ihre Weinberge heute noch 
Allein in den Amtsbezirken Offenburg und Oberkirch gibt es deren ein halbe 
Dutzend. Die Qualität weicht im allgemeinen von der der übrigen Weinberg* 
nicht ab. In Durbach (Offenburg) wurde mir versichert, daß mit die bestei 
Lagen auf die Allmendreben kommen. Im übrigen wiederhole ich aber, daJ 
der Anteil der anderen Kulturen zu geringfügig ist, um für die Beurteilung de 
Allmende in Betracht zu kommen. 



20 HI. Kapitel. 

4. Die verschiedenen Verteilungsarten. — Größe der Gewanne. 

Bedeutungsvoll für den wirtschaftlichen Wert des Allmendgenusses ist die 
Verteilungsart. Es ist etwas ganz anderes, ob der Bürger ein Stück Land auf 
einmal bekommt, oder ob er stufenweise in den Genuß einrückt. Noch wich- 
tiger vielleicht ist der Unterschied zwischen der periodischen Neuverlosung 
und der Zuteilung auf Lebenszeit. Wenn der Bürger dem baldigen Ende der 
Zuteilungsperiode entgegensieht, wird die Behandlung des Grundstücks eine 
minder sorgfältige sein. Derselbe Effekt kann sich auch beim Klassensystem 
zeigen, das an und für sich mit der zeitlichen Umteilung oder (je nachdem) 
Neuverlosung nicht zusammenhängt, x nämlich wenn man aus der niederen 
Klasse derart aufrückt, daß man sein bisheriges Los gegen Empfang des neuen 
abgeben muß. Eine andere Form ist es, wenn das Aufrücken in die höhere 
Klasse durch Empfang einer Zulage zu dem bereits vorhandenen Stück sich 
vollzieht, das man beibehält. Im folgenden habe ich der Einfachheit halber 
die zweite Form des Klassensystems zur Verteilung auf Lebenszeit gerechnet, 
das Aufrücken mit Umtausch beurteile ich dagegen wie Neuverlosung. 

Meine Enquete ergibt, daß das Einklassensystem im Gebirge und auf 
der Hochfläche der Baar überwiegt, das andere dagegen (wenn auch nicht 
stark) in der Ebene. In 181 Gemeinden verteilen sich die beiden Systeme 
folgendermaßen : 

eine Klasse mehrere Klassen zusammen 

Südliches Hügelland . 32 11 43 

Schwarzwald .... 16 3 19 

Ebene 54 65 119 

102 79 181 

Die Übereinstimmung mit dem über Entstehung der aufgeteilten Allmende 
Gesagten ist auffallend. Im Schwarzwald, in der See- und der Donaugegend, 
wo die Allmende im wesentlichen Folge der Weideteilung ist, also eines ein- 
maligen Vorgangs, überwiegt das Einklassensystem. Im Schwarzwald haben 
wir nur drei Gemeinden mit mehr als einer Klasse. Die eine ist der Amtsort 
Schönau im Wiesen tal, wo zwischen 18 10 und 30, also auch nicht auf einmal, 
die Weide in Ackerland umgewandelt wurde. 

Wo mehr als eine Ursache für Entstehung der Allmende angeführt wird, 
gibt es auch sehr oft mehrere Klassen. Daher kommt es, daß die Klassen 
in den einzelnen Gemeinden der Ebene viel zahlreicher sind. Im ganzen 
Hügelland und Schwarzwald kenne ich nur eine Gemeinde mit drei Klassen, 
die übrigen haben höchstens zwei. In der Ebene trifft man dagegen vier, 
fünf, acht, elf und einmal sogar 1 7 2 Klassen. Zwischen den einzelnen Amts- 
bezirken der Ebene sind große Unterschiede. In den Ämtern Lahr, Offenburg 
und Achern überwiegen die Gemeinden mit mehreren Klassen (bis zu elf). 
Dies ist das Gebiet der großen Waldteilungen. 3 Im allgemeinen fanden nämlich 
die Rodungen nicht auf einmal statt. 



1 Über diesen Unterschied siehe die feinsinnigen Ausführungen Tschuproffs, Feld- 
gemeinschaft (Straßb. Abhandl. I 2 § 1 — 10). 

2 Heddesheim (Weinheim) s. Ureigentum 204. 

3 Siehe S. 10. 



Einige Beiträge zur Kenntnis der heutigen Allmendverfassung. 21 

Diese Erklärung genügt aber nicht immer. Im Amtsbezirk Bühl, in dem 
ebenfalls viel Allmendland auf ehemaligem Waldboden steht (Markwald), gibt 
es keine einzige Gemeinde mit mehreren Klassen. 

Auch in bezug auf die Genußdauer oder vielmehr auf Zuteilungszeiten 
ist zwischen Schwarzwald und Hügelland einerseits und Ebene andererseits ein 
Gegensatz vorhanden. Dort Gleichförmigkeit, die bunteste Mannigfaltigkeit hier. 
Die Gemeinden ohne Umtausch beim Aufrücken zu denen mit Zuteilung auf 
Lebenszeit gerechnet, x haben wir in meiner Enquete 1 43 , die ausschließlich 
einem System folgen. Sie verteilen sich folgendermaßen: 

auf Lebenszeit periodisch zusammen 

Südliches Hügelland ... 35 3 38 

Schwarzwald 14 2 16 

Ebene /: 62 27 89 

in 32 143 

Es haben also in Gemeinden nur lebenslängliche Zuteilung und 32 
eine solche mit begrenzter Dauer. Die letzten gehören fast ganz in die Ebene. 
Woher jene Einförmigkeit bei den höher gelegenen Landesteilen kommen mag, 
ist nicht leicht zu sagen. Ich glaube, daß auch dies wiederum sich durch die 
Entstehungsart der aufgeteilten Allmende erklärt: Wenn in einer Gemeinde 
angeregt wird, die periodische Neuverlosung durch lebenslänglichen Genuß zu 
ersetzen, so halten dem die Interessenten die Verschiedenheit der Böden ent- 
gegen. Es würde dann, sagen sie, der eine immer ein gutes und der andere 
immer ein minderwertiges Los haben. Auf diesen Einwand werde ich noch 
zurückkommen. 2 Hier hebe ich nur hervor, daß die Bodenunterschiede bloß 
dann die Verteilungsart bedingen können, wenn sie seit längerer Zeit bekannt 
sind. Außerdem dürfte dies eine allmähliche Aufteilung der Allmende voraus- 
setzen. Nun haben wir schon gesehen, daß im Schwarzwald und der Donau- 
gegend die Aufteilung viel öfter auf einmal geschah. Die Interessenten haben 
die Verwendbarkeit des Landes für Acker- und Wiesenbau noch nicht erkannt, 
und sie haben daher keinen Grund, die Inhaber wechseln zu lassen. 

Die Neuverlosung wird besonders in Gemeinden bevorzugt, deren Ge- 
markungen ganz oder teilweise im Überschwemmungsgebiet des Rheins liegen, 
Diese sind bekanntlich sehr langsam entwässert und in Kultur genommen 
worden. 

Von 31 Gemeinden, in denen das Aufrücken in die höhere Klasse mit 
Umtausch des Loses verbunden ist, liegen nicht weniger als 26 in der Ebene. 
Wenn ich dies System dem der Neuverlosung gleichstelle, so muß ich bemerken, 
daß die Gleichheit des wirtschaftlichen Effekts doch nur in einem Teil der 
Gemeinden vorhanden ist. Wo nur zwei Klassen sind und wo der größte 
Teil der Allmende auf die höhere kommt, haben wir im Grunde eine Zuwei- 
sung für immer: aus der höheren Klasse kann man ja nicht mehr aufrücken. 
Ganz rein zeigt sich dies System erst, wo bei mehreren Klassen ein öfterer 
Wechsel der Lose stattfindet. 



* Siehe oben S. 20. 
2 Siehe S. 28. 



22 HI. Kapitel. 

Meine Enquete enthält eine Menge Angaben über Zahl und Namen 
der Gewanne, in die das Allmendland zerfällt. Daraus will ich nun mitteilen, 
was mir erklärungsfähig oder -bedürftig erscheint. 

Zunächst betone ich, daß die Zahl der Gewanne nicht immer dem Grad 
der Zersplitterung des Allmendbesitzes entspricht. In Weinheim bilden die 
Wiesen einen Komplex von mehreren hundert Hektar, zerfallen aber in un- 
gefähr 50 Gewanne. Eine andere Gemeinde hat vielleicht nur vier bis fünf 
Gewanne, die aber in ganz entgegengesetzten Teilen der Gemarkung liegen. 

Die Größe der Gewanne ist sehr verschieden. Sie beträgt durchschnittlich x 

7 Gemarkungen der Seegegend 26,4 ha 

12 > der Donaugegend 6,6 ha 

9 » des südlichen Schwarzwaldes. . 9,2 ha 

49 » der Ebene 18,8 ha 

Womit diese Verschiedenheiten zu erklären sind, vermag ich nicht zu 
sagen. Es scheint aber, daß sie mit der Kulturart zusammenhängen. In 
25 Gemeinden der Ebene mit ausschließlicher oder weitüberwiegender Acker- 
allmende sind die Gewanne durchschnittlich 24,4 ha, in 18 Gemeinden, die 
zum größten Teil Wiesenallmende haben, dagegen nur 14 ha. 

Auch der Umfang der Allmendfläche ist auf Größe der Gewanne von 
Einfluß. Ich habe 46 Gemeinden der Ebene von 50 — 300 ha Allmendbesitz 
in drei Klassen gruppiert: 50 — 100 ha, 100 — 200 ha und 200 — 300 ha; die 
Gewanngröße ist 15,7 ha, 17,6 ha und 30,1 ha. Dieses Ergebnis ist vielleicht 
nicht sehr überraschend. Ohne zu dem Problem der Gewannentstehung über- 
haupt Stellung zu nehmen, glaube ich doch, daß bei der Allmende sie viel 
öfter auf bewußte Verteilung zurückzuführen ist. Man beachte doch, daß diese 
Vorgänge in die jüngste Zeit fallen, wo sie der Ausdruck einer systematischen 
Bodenpolitik sind. Dies zugegeben, erscheint es natürlich, daß die Gemeinden 
mit größeren Allmenden, die, wie wir wissen, auch mehr Einwohner zählen, 2 
große Gewanne bildeten, um möglichst alle Bürger zu befriedigen. 



1 Die Gewanngrößen sind in der Enquete nicht sehr genau zu nehmen. In manchen 
Gewannen liegt Allmendland neben anderem. Es war mir natürlich nicht immer möglich, 
sie voneinander zu trennen. 

2 Siehe S. 18. 



IV. Kapitel. 

Größe und Bewirtschaftung der Einzelanteile. 



Nachdem wir die Entstehung der aufgeteilten Allmende, Zahl der Allmend- 
gemeinden, Umfang der Flächen, deren Verteilung nach Kulturen, ferner die 
verschiedenen Verteilungssysteme und manches andere, was dazu gehört, kennen 
gelernt haben, wollen wir endlich der Frage nach dem Wert des Allmend- 
genusses für den Einzelnen näher treten. 

Ich werde mich vorwiegend an meine Enquete halten. Allerdings gibt 
es für Baden eine amtliche Zusammenstellung für den Wert der von den 
Gemeinden gewährten Nutzungen aus dem Jahre 1854. Aber abgesehen davon, 
daß ich die Ermittelungsmethoden dieser Zahlen für recht anfechtbar halte, l 
beziehen sie sich auf die Nutzungen überhaupt, also auch auf Gabholz, dessen 
Wert sogar größer war als der des Landgenusses (2,7 Millionen Gulden, gegen 
2,5). 2 Der Gegenstand meiner Arbeit sind aber nicht Nutzungen überhaupt, 
ich suche vielmehr den Wert des Arbeitsmittels zu erkennen, das durch Zu- 
weisung eines Landloses gewährt wird. Nur als Grundstück, und zwar als ein 
vom Inhaber natural benutztes, gehört der Bürgernutzen in den Rahmen meiner 
Schrift. 

Freilich, den Wert der Allmendanteile zeigt meine Enquete nicht, nur 
den Umfang. Dieser Mangel ist bedauerlich, aber er vermag die Brauchbarkeit 
der Untersuchung nicht zu stören. Nur wenn das Allmendland eine andere 
Bewirtschaftung bedingte, als eigener Besitz, wäre seine Wertabschätzung unent- 
behrlich. Da aber dies nicht der Fall ist, wie sich weiter unten ergibt, so 
scheiden wir die Frage nach dem Geldwert aus. Es genügt uns, zu wissen, 
daß er im großen und ganzen dem des übrigen Landes und daher seinem 
prozentuellen Anteil an demselben entspricht. 

Die Mitteilungen über Umfang der Lose gehören zu den allerzuver- 
lässigsten meiner Enquete. Werden doch Genußzeit und Art durch Lokal- 
statuten geordnet und genau registriert. 

In 143 Gemeinden befinden sich 33673 Genußinhaber, durchschnittlich 
235. Auf Gemeinden mit einer Klasse kommen nur 212, auf die mit meh- 
reren dagegen 273. Bei gleichzeitiger Trennung nach natürlichen Gebieten: 
die Gemeinden der Ebene mit einer Klasse zählen 265 Inhaber, die mit 



1 Siehe VII. Kap. S. 63. 

* Wielandt, 333, wo die Zusammenstellung abgedruckt ist. 



24 IV. Kapitel. 

mehreren 307. In der See-, der Donaugegend und im Schwarzwald: m 
bzw. 157. Die Spannung ist zwar etwas geringer, zeigt aber doch einen 
deutlichen Unterschied zwischen den beiden Gruppen. Die Allmendf lache 
dieser 143 Gemeinden ist ungefähr 16000 ha, es kommen also auf einen 
Inhaber fast 50 a. Nach der Zählung von 1895 waren es nur 40; dieser 
Unterschied ist dadurch entstanden, daß ich die Gemeinden mit kleinsten An- 
teilen von meiner Enquete ausgeschlossen hatte. 

Ich habe in der Tabelle V für die 6 Klassen der Anteile Abstufungen 
von 25 bezw. 50 a gewählt; richtiger wäre es vielleicht die alten Morgen- 
maße zu benutzen, denn diese haben sich in der Verteilung fast ausschließlich 
erhalten und werden wohl erst mit der ganzen Allmende schwinden. Das 
alte Maß kommt übrigens beim Mehrklassensystem, wo es sich in den unteren 
Klassen oft nur um ganz kleine Anteile handelt, nicht so scharf zum Vorschein. 
Immerhin finden wir auch hier sehr oft Lose von 9, 13,5 und 18 a — 
lauter Bruchstücke des badischen Morgen (36 a). 

Fast zwei Drittel aller Genußinhaber gehörten den Klassen 26 — 50 und 
51 — 75 a an. In der letzten hat der größte Teil übrigens 54 oder 63 a 
(6 bzw. 7 Viertel). In der niedersten Klasse sind nur gegen 1 8 %. Interessant, 
daß in Gemeinden mit einer Genußklasse dieser Anteil auf 9% sinkt. Dies 
besagt aber nicht, daß die Anteile dieser Gruppe etwas größer wären. Hier 
ist nur die Allmende gleichmäßiger verteilt. Beim Klassensystem gibt es eben 
große Unterschiede. Daher haben wir bei ihm auch auf der anderen Seite 
die größten Anteile. Nehmen wir z. B. die Gemeinden der Ebene. In der 
Gruppe mit einer Klasse sind 500 Inhaber mit 101 — 150 a sämtlich in 
Liedolsheim. Die 506 der anderen verteilen sich dagegen auf 5 Gemeinden; 
außerdem haben hier 468 Personen mehr als 150 a, bei der Gruppe mit einer 
Klasse fehlen diese ganz. 

Die Mehrzahl der Anteile sind 27 — 54 a (3 — 6 Viertel). Freilich mit 
Unterschied zwischen der Ebene und den höher gelegenen Landesteilen. Die 
klimatischen Verhältnisse der Donaugegend und des Schwarzwaldes bedingen 
größere Anteile. In der Gruppe mit einer Genußklasse haben in der Ebene 
nur 10% der Inhaber mehr als 75 a, im Gebirge dagegen 34,9. Da aber 
das Gebirge nur 8300 Allmendbesitzer zählt gegen 25 300 in der Ebene, so 
bleibt es dabei, daß die erdrückende Mehrheit der Interessenten weniger als 
54 a (1 J / 2 Morgen) nutzen. 

Neben der Verschiedenheit der klimatischen und Anbauverhältnisse kommt 
auch eine solche des eigenen Besitzes in Betracht. Ein Bauer, der 4 — 5 ha 
eigenes Land bewirtschaftet, wird auf die einhalb bis eineinhalb Morgen weniger 
Wert legen, als der kleine Mann, der mit Hilfe der Allmende grade noch das 
notwendige Existenzminimum erreicht. Nun befindet sich ein großer Teil des 
Nutzungslandes in Händen von Leuten, die es eigentlich leicht entbehren könnten. 
Von 31 357 ha, welche die Zählung von 1895 in Baden ermittelt hat, kommen 
6785 = 22% auf Betriebe mit mehr als 5 ha landwirtschaftlich genutzten 
Landes. 

Die Bedeutung der Allmende für die Landwirtschaft treibende Bevöl- 
kerung entspricht in Wahrheit nicht ihrem prozentualen Anteil an der gesamten 
landwirtschaftlichen Fläche. Es herrscht in Baden, dem Land, der Natural- 
teilung, des größten Besitzwechsels und unbedeutender Ausdehnung der toten 
Hand, sehr viel Pachtgelegenheit. Allerdings betont Hecht sehr richtig: »Eine 



Größe und Bewirtschaftung der Einzelanteile. 



25 



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2 6 IV. Kapitel. 

Klasse von landwirtschaftlichen Pächtern ist im Großherzogtum ganz unbekannt.« x 
Reine Pachtbetriebe sind nicht zahlreich. (12500 = 5,2 %.) Aber man 
beachte die wichtige Tatsache, daß nur 74683 Betriebe von 236159, die 
1895 gezählt wurden, ausschließlich eigenes Land bewirtschaften, also weniger 
als ein Drittel. Die erdrückende Mehrzahl der badischen Landwirte pachtet 
Land zu. Die Pachtfläche freilich ist nur 15,6% der Anbaufläche (1 16000 ha 
auf 745000). Dagegen beträgt sie 31 % in der Klasse von 20 — 25 a, 25,7 % 
in der von 50— 100 a, 23,6% in der von 1 — 2 ha und noch volle 19% 
in der von 2 — 5 ha, also derjenigen, die vor allem den badischen Bauernstand 
repräsentiert. Ich glaube daher, daß wenn man heute den Allmendbesitz 
aufgeben wollte, so würden das natürlich Tausende sehr schmerzlich empfinden, 
aber eine merkliche Änderung der Betriebsverhältnisse entstünde dadurch nicht. 
Nur die Anteile der drei Besitzformen würden sich verschieben, indem das 
Pachtland zunehmen müßte. 

Nur dort, wo aus lokalen Gründen es an Kauf- und Pachtgelegenheit 
mangelt, kommt der Allmende ein absoluter Wert zu, und er kann hier sogar 
größer sein, als ihr relativer Anteil an der Fläche. Denn ohne sie könnten 
dann viele Wirtschaften nicht aufrecht erhalten werden, und die Besitzer 
müßten dann andere Berufe ergreifen oder auswandern. Solche Fälle kommen 
vor. So schreibt mir Herr Pfarrer Hesselbacher aus Neckarzimmern (Mosbach): 
»Unsere Gemeinde ist eine grundherrschaftliche .... Grundbesitz zu erwerben 
ist sehr schwer, denn die Gemarkung ist schmal und lang. Das beste Feld 
gehört dem Baron (Fideikommiß), die Nachbargemeinden sind teils über dem 
Neckar, wohin keine gute Verbindung ist ... . teils wieder grundherrschaftlich.« 
Der Schreiber schildert dann mit knappen, aber anschaulichen Worten, wie 
schwankend die wirtschaftlichen Verhältnisse einer solchen landarmen Gemeinde 
sind. Zum Schluß meint er, daß trotz der schweren Ungerechtigkeit in der 
Allmendverteilung (Haften an bestimmten alten Häusern) die Vorteile der 
Allmende doch größer sind als ihre Nachteile. Sie ermöglicht vielen Bürgern 
überhaupt erst den Landbesitz. Groß ist dieser nicht: 50 Lose zu je 50 a. 
Aber in Verbindung mit dem eigenen Haus, dem Holz- und Streubezug gibt 
er »immerhin eine gewisse Existenzmöglichkeit«. 

Nun mögen ja so ungünstige Bedingungen für Landerwerb im Bauland, 
wo Grundherrschaften sehr häufig sind, öfter vorkommen. Für uns haben sie 
keine Bedeutung. Der Allmende eigentlicher Sitz ist die Ebene, wo es an 
Pacht- und Kaufgelegenheit nirgends fehlt. Daß die Pacht zur Ergänzung des 
eigenen Besitzes überall da auftritt, wo dieser nicht ausreicht, und daß ihr im 
Verhältnis zur Allmende gewissermaßen eine subsidiäre Rolle zukommt, werde 
ich für den Stand der ländlichen Industriearbeiter später nachzuweisen ver- 
suchen. 2 

Pachtland ist ja teurer als Allmende. Ihm haften aber auch große 
Vorzüge gegenüber dieser letzten an. Der Pächter kann das Grundstück in 
der Regel nach Lage der Qualität und Größe wählen, das Allmendlos hat 
man einfach anzunehmen, wie es ist. Wo periodische Neuverlosung herrscht 
oder das Aufrücken in die höhere Klasse mit Wechsel des Anteils verbunden 
ist, wird die Bewirtschaftung viel nachlässiger sein, als bei einer langfristigen 



1 Bad. Landwirtschaft S. 13. 

2 Siehe S. 52—56. 



Größe und Bewirtschaftung der Einzelanteile. 27 

Pachtung. Sodann ist die sehr lange Wartezeit bis zum Genußantritt zu be- 
rücksichtigen und schließlich : auch der Allmendnutzen wird nicht umsonst 
verliehen. Vielmehr ist er, wie noch gezeigt wird, oft schwer belastet. Wenn 
diese Momente, wie er oft genug vorkommt, zusammentreffen, da begreift man, 
warum selbst in allmendereichen Gemeinden soviel Land ge- und verpachtet 
wird. — Diese Betrachtungen in Verbindung mit den Ergebnissen in der 
Tabelle V gemahnen zur Vorsicht gegenüber den großen Erwartungen, die 
man heutzutage auf die Allmende setzt. Von 25 000 Genußinhabern der 
badischen Rheinebene bewirtschaften nur 3600 mehr als 75 a. Ich frage, 
kann man da wirklich außerordentliche Einflüsse für die soziale Struktur der 
beteiligten Bevölkerungskreise oder auch nur für deren ökonomische Lage er- 
warten? 



Die Frage IX meiner Enquete sollte ein Urteil über die Bewirtschaftung 
des Allmendlandes ermöglichen. Dies ist auch gelungen. Es hat sich ergeben, 
daß keine Veranlassung vorliegt, die Allmende schlechter zu bewirtschaften als 
anderes Land. Wo der Betrieb intensiv ist, wird auch dem Allmendfeld große 
Sorgfalt zuteil. In Gegenden mit entwickeltem Anbau von Handelspflanzen 
findet man diese auch auf den Allmendgewannen. 

In vielen Gemeinden wird aber dennoch über schlechte Bewirtschaftung 
geklagt. Wenn wir von den Fällen absehen, wo es sich um geringwertiges 
Land handelt, so kann man dies auf zwei Ursachen zurückführen: a. unzweck- 
mäßige Verteilungsart, b. hohes Alter der Genußinhaber. Oft wird das Ackerfeld 
alle fünf bis sechs Jahre neu verteilt, Wiesen noch öfter, in Schuttern (Lahr) 
z. B. jährlich. Ist es ein Wunder, daß sie hier ebenso wie in Obrigheim 
(Mosbach) keinen Dung erhalten? Schlechte Behandlung wird auch aus Morsch 
(Ettlingen) berichtet, wo die Genußperiode zehn Jahre dauert, und wo deshalb 
keine Handelsgewächse gebaut werden. Unbefriedigende Bewirtschaftung stellt 
auch der Bürgermeister von Eggenstein (Karlsruhe) fest (neunjährliche Verteilung). 
In einer anderen Gemeinde desselben Amtsbezirks (Hochstetten) wurden früher 
die Äcker alle sechs, die Wiesen alle zwölf Jahre neu vergeben. Dieser Miß- 
wirtschaft, schreibt mir Herr Bürgermeister Herbst, machte man durch Verteilung 
der Allmende auf Lebenszeit ein Ende (im Jahre 1896). »Voraus war es 
Raubwirtschaft. Heute betrachtet die Allmende jeder als Eigentum und wird 
auch etwas erzielt.« In Söllingen (Rastatt) erhält der Berechtigte das Ackerlos 
herkömmlich für 20 Jahre. Als nun die Zeit der letzten Neuvergabung ge- 
kommen war, verzichteten darauf die Bürger und nutzten die innegehabten 
Stücke einfach weiter, da »diese Grundstücke ansonst in den zwei letzten Jahren 
nicht mehr sorgfältig bebaut und nicht mehr sorgfältig gedüngt werden«. 1 

Nicht immer ist eine Reform so einfach. Das Land muß in diesem Fall 
ziemlich gleicher Güte sein, sonst würden sich die Inhaber minderweitiger Lose 
bedanken. Überhaupt sind die Qualitätsunterschiede das starke Argument, das 
die Interessenten zur Verteidigung des periodischen Wechsels der Inhaber an- 
führen. 2 In Rheinbischofsheim (Kehl) wirft, wie ich einem Schreiben des Herrn 
Ratschreibers Schneider entnehme, ein Wiesenlos vier bis zwölf Zentner Heu 



1 Enquete. 

2 Siehe oben S. 21. 



2 8 IV. Kapitel. 

ab, ein anderes aber 12 bis 20. Durch jährliches Wandern der Lose werden 
die Folgen dieser Ungleichheit beseitigt. Es gibt aber noch ein anderes Mittel 
zur Erzielung der gerechten Nutzungsweise ohne Schaden für die Bewirtschaftung. 
Man stelle die Lose einfach so zusammen, daß sie alle Qualitäten enthalten. 
Die Zersplitterung wird deshalb nicht zunehmen. Umgekehrt, sie kann sich unter 
Umständen vermindern. Heute bestehen nämlich die Anteile oft aus vielen 
in der Güte gleichen, aber auf der ganzen Gemarkung versprengten Stücken. 
Es ist richtig, dieses Verfahren, mit dem Neuvermessung, Aussteinung, Be- 
reinigung usw. verbunden sind, ist mitunter recht kostspielig. In Liedolsheim 
(Karlsruhe) kamen diese Operationen auf 1 5 000 M. Hier war die Zahl der 
Lose ursprünglich nicht bestimmt gewesen, und es hatte, wie es scheint, 
mehrere Klassen gegeben, wobei die ersten Anteile sehr klein sein mußten. 
Jedenfalls meinte der Gemeinderat 1874 zu einem Reform Vorschlag des Be- 
zirksamts, man könne die Zahl der Lose nicht schließen und sie auf Lebzeiten 
verleihen, weil die jungen Bürger auf die Allmende angewiesen sind und nicht 
warten können. l 20 Jahre später wurde aber die Zusammenlegung der Allmend- 
stücke vorgenommen und die lebenslängliche Zuteilung der nunmehr mit 500 
geschlossenen Lose eingeführt. Einen hartnäckigen Kampf führte das Karlsruher 
Bezirksamt um die Einführung der Nutzung auf Lebenszeit in Linkenheim. 
Auch hier wurde seitens der Gemeinde auf die Verschiedenheit der Gewanne 
hingewiesen, was aber dem damaligen Amtsvorstand wenig überzeugend erschien. 
Schließlich gab die Bürgerschaft nach und stimmte 1895 der Teilung auf 
Lebzeit zu. Neuvermessung war hier ebenfalls nötig und kostete mit allem, 
was dazu gehörte, gegen 10 000 M. Diese Ausgaben sind gewiß nicht un- 
produktiv. Die Bewirtschaftung und mithin die Ergiebigkeit des Bodens bessern 
sich dermaßen, daß die Berechtigten, welche die Ausgaben als Soziallast tragen, 
letzten Endes ein gutes Geschäft machen. Wie die Reform in Hochstetten 
gewirkt hat, habe ich schon erzählt. 2 Ein hochinteressantes Urteil über diese 
Dinge habe ich in einem Bericht des Gemeinderats Graben (Karlsruhe) gefunden. 
Das Bezirksamt hatte nämlich eine auffallende Verschiedenheit in der Abschätzung 
zweier Allmendteile beanstandet. Darauf antwortete die Gemeinde: »Daß das 
Grundstück Nr. . . . höher taxiert ist als Grundstück Nr. . . ., kommt daher, 
weil das erstere auf lebenslänglich geteilt und durch die Besitzer so bedeutend 
durch Kultur und Dünger verbessert wurde, daß dessen Wert auch bedeutend 
höher ist.« Mit diesem Beispiel, wie es konkreter wohl nicht zu finden ist, 
willl ich die Betrachtungen über Wirkung des Verteilungsmodus auf die Be- 
wirtschaftung schließen. Ihre Ergebnisse sind: a. im Wesen der Allmende liegt 
eine schlechte Behandlung des Landes durchaus nicht. Kann man den Be- 
rechtigten eine unbeschränkte Genußdauer gewährleisten, so werden sie die 
Allmendstücke genau so bebauen wie ihren Privatbesitz. Die gegenteilige 
Ansicht beruht auf einer Verwechslung der aufgeteilten Allmende mit der 
Allmendweide, bei der allerdings die Gefahr der Verwahrlosung sehr nahe liegt: 
b. die heutige Einsicht in diese Dinge besitzt Mittel genug, um die Nachteile 
einer unzweckmäßigen Verteilungsart zu beseitigen, ohne die Allmende in ihrem 
Wesen zu berühren. 



1 Akten des Bezirksamts, Gemeinde Liedolsheim. 

2 Siehe oben S. 22. 



Größe und Bewirtschaftung der Einzelanteile. 20 

Wesentlich ungünstiger steht es um die Bekämpfung der Nachteile, welche 
dem hohen Alter der Berechtigten entspringen. Daß alte Leute die Allmende 
vernachlässigen müssen, ist selbstverständlich. Ob sie die Wirtschaft noch selber 
besorgen, oder sie ihren Angehörigen überlassen — immer rechnet man mit 
dem baldigen Verlust des Loses und wendet ihm wenig Arbeit und Kapital 
zu. Dies ändert sich natürlich nicht, wenn das Land verpachtet wird. Welcher 
Schaden dadurch, vom volkswirtschaftlichen Standpunkt betrachtet, entsteht, 
zeigt das Beispiel der Amtsstadt Schwetzingen. Hier gelangt man in den 
Genuß der zweiten Klasse mit etwa 70 Jahren, in den der ersten sogar erst 
mit 80 Jahren. Der Jüngling, der mit 25 Jahren sein Bürgerrecht antritt, hat 
die angenehme Hoffnung auf einen gesicherten Besitz für seinen Lebensabend. 
Allerdings lehnt die Gemeinde jedwede Garantie für die Verwirklichung dieser 
Hoffnung ab. Dagegen hat sie eine Einrichtung getroffen, um dem Glück- 
lichen, der die Fälligkeit seines Anspruchs erlebt, den Genuß wesentlich zu 
erleichtern. Die sogenannte Sandallmende, die den Berechtigten der höheren 
Klasse zusteht, wird von der Gemeinde langfristig verpachtet. Die Berechtigten 
erhalten nur den entsprechenden Pachterlös. Dadurch hat sich, wie mein 
Gewährsmann, Herr Ratschreiber Reichard, versichert, der Ertrag der Allmende, 
auf der vorwiegend Spargel gebaut wird, bedeuteud gehoben. Während man 
früher die einzelnen Lose für 5 — 7 M. pachten konnte, erhält man jezt dafür 
in der Regel 16 — 17 M., manchmal noch mehr, in einem Fall sogar 41 M. 



Ein hohes Alter der Berechtigten kann zwei Ursachen haben. Wenn 
es in einer Gemeinde mehrere Genußklassen gibt, wird man das Los der 
höchsten Klasse oft sehr spät in Empfang nehmen. Der bei weitem häufigere 
Fall ist aber, daß wegen zunehmender Einwohnerzahl zwischen der Zahl der 
Berechtigten und der zur Verfügung stehenden Fläche ein bedeutendes Miß- 
verhältnis entsteht. 

Was das Klassensystem anbelangt, so läßt es sich ja durch eine rationelle 
Neuverteilung, wie wir schon gesehen haben, leicht beseitigen und mit ihm 
auch die allzulange Wartezeit für die höchsten Genußklassen. Gegen die 
Wirkungen des hohen Alters der Genußinhaber, das als Folge der Bevölkerungs- 
zunahme erscheint, gibt es sogar zwei Mittel. Eines davon haben wir am 
Beispiel Schwetzingens kennen gelernt. Es läuft einfach darauf hinaus, die 
naturale Landnutzung durch eine Geldrente zu ersetzen. Auch wenn wir da- 
von absehen, daß die Rente früher oder später ihrerseits durch eine einmalige 
Kapitalszahlung abgelöst wird, so bedeutet dieses Verfahren eine offenbare 
Aufhebung der Allmendenutzung. Das zweite Mittel wäre, die Lose nach Maß- 
gabe der Bevölkerungszunahme zu kürzen. Es ist auch in mehreren Gemeinden 
des Amtes Meßkirch angewendet worden. Nun gibt es aber für die Kleinheit 
der Lose eine gewisse Grenze, unter die man ungern hinabsteigt. Außerdem 
ist diese Operation mit Kosten und Mühen verbunden, denen keine Ertrags- 
steigerung entspricht. Daher ist sie wenig beliebt. 

Sind aber diese beiden »kleinen Mittel« erschöpft, oder nicht anwendbar, 
so bleibt nichts übrig, als es gehen zu lassen, wie es Gott gefällt. Die Mög- 
lichkeit einer Einwirkung ohne Verletzung begründeter Rechte hört vollständig 
auf und die Allmendpolitik sieht sich zur Ohnmacht verdammt. Welche 
Folgen dieser Umstand für das gesamte Gebiet unseres Problems hat, werden 
wir im nächsten Kapitel sehen. 



V. Kapitel. 

Einfluß der Bevölkerungszunahme. 

i. Steigendes Antrittsalter. 

Die badische Gemeindeordnung, deren § 106 als Voraussetzung des Ge- 
nußantritts neben anderem die Zurücklegung des 25. Lebensjahres verlangt, 
entstammt dem Jahre 1831. Das Gesetz sanktionierte damit eine in den 
meisten Gemeinden mit persönlichem Nutzungsrecht bestandene Übung. Die 
Grenze war nicht willkürlich gewählt, sie entsprach, wie aus einer dem Gesetz- 
entwurf beigefügten Übersicht hervorgeht, dem Heiratsalter und der Gründungszeit 
des eigenen Haushalts. Das Heiratsalter ist auch bis heute auf dem Lande, 
so weit ich sehe, dasselbe geblieben. Nicht aber das Antrittsalter für den 
Allmendgenuß. Durch bedeutendes Steigen der Bevölkerung, das die Gemeinden 
der Ebene erfahren haben, steht heute eine viel größere Volkszahl dem nur 
wenig umfangreicheren Allmendland gegenüber. Würde das Gesetz das Minimal- 
alter heute um zehn Jahre hinaufsetzen, so würden es viele Gemeinden, ja die 
meisten, gar nicht merken. Nur in ganz wenigen hat sich die ursprüngliche 
Grenze auch tatsächlich erhalten. 

Auf diese Verhältnisse bezieht sich die Frage VIII meiner Enquete. 
Die Antworten drücken natürlich nur den allgemeinen Durchschnitt aus. Es 
kann sich in einer Gemeinde mit langer Wartezeit sehr wohl die Konstellation 
ergeben, daß ein gerade noch allmendreifer Bürger in den Genuß einrückt. 
Auch konnten die Angaben im einzelnen nicht so genau ausfallen, daß man 
sie etwa zu einer Statistik der Altersstufen benutzen könnte. In ihrer Ge- 
samtheit ergeben sie aber ein untrügliches Bild der langsam fortschreitenden 
Auflösung, welcher die Allmendnutzung dank der Bevölkerungszunahme ent- 
gegengeht. 

Es ist schwer zu sagen, wo man die Grenze für kurze und lange Warte- 
zeit ansetzen soll. Ich möchte die Wartezeit als lang bezeichnen, welche 
bewirkt, daß die Anwartschaft auf den Allmendgenuß die wirtschaftlichen 
Dispositionen des Bürgers nicht mehr beeinflußt. Wann das der Fall ist, hängt 
natürlich auch von lokalen und persönlichen Umständen ab. Aber ich glaube 
kaum, daß der Bürgernutzen, der, sagen wir, 15 Jahr nach der Gründung des 
eigenen Haushalts fällig wird, also zum 40. Lebensjahr etwa, viele veranlassen 
könnte, beispielsweise in ihrem jetzigen Wohnort zu bleiben. Nun, mindestens 



Einfluß der Bevölkerungszunahme. 



31 



in einem Viertel aller Gemeinden meiner Enquete, in denen der Ebene sogar 
in einem Drittel, werden die Leute 40 Jahre alt, bis sie in den Genuß ein- 
rücken. In vielen Gemeinden werden die Leute sogar 50, 60 und 70 Jahr, 
bis sie das Los erlangen (Sandhausen, Hockenheim, Schwetzingen [siehe oben 
S. 29] Hemsbach usw.). Die Gemeinden mit kurzer Wartezeit, bis zu fünf 
Jahren, sind weniger zahlreich und betragen in der Ebene nicht mehr als ein 
Fünftel aller. Bemerkenswert jedoch, daß in der ersten Gruppe die Orte mit 
absolut großem Allmendbesitz viel stärker vertreten sind. Das wahre Verhältnis 
dürfte noch ungünstiger sein, denn einige Bürgermeisterämter scheinen die Frage 
mißverstanden und das gesetzliche Antrittsalter mit dem tatsächlichen verwechselt 
zu haben. 

Die ökonomischen und sozialpolitischen Nachteile dieser Erscheinung sind 
schon teils besprochen worden, teils sollen sie im Kapitel über Allmende und 
Sozialpolitik ihre Würdigung erst finden. 



2. Abnahme des landwirtschaftlichen Elements und deren Folgen. 

Mit wachsender Einwohnerzahl zeigen sich auch in Landgemeinden Spuren 
fortschreitender beruflicher Differenzierung. Wenn in ganz kleinen Dörfern 
vielleicht nur der Lehrer keine Landwirtschaft treibt, so vermehrt sich die Zahl 
in größeren um die der Beamten, Handwerker, Kaufleute, einzelner Taglöhner 
und vor allem der Industriearbeiter. Im Durchschnitt der »100 Gemeinden« 
machten im Jahre 1895 die landwirtschaftlichen Betriebe 87 % aller Haus- 
haltungen aus. Während aber in den Gemeinden unter 1000 Einwohnern 
das Prozent fast 100 ist, sinkt es allmählich auf 83 in der von mehr als 
3000 Einwohnern. Zu demselben Resultat kann man auch auf andere Weise 
kommen. Ich habe für den Amtsbezirk Karlsruhe den Hauptberuf der Allmend- 
inhaber zusammengestellt und habe folgendes gefunden, es waren: 



Allmend- 

inhaber 

überhaupt 


Davon entfielen im Hauptberuf auf 


Landwirtschaft 


Industrie 


Andere 
Berufe 


selbständig 


unselbständig 


4206 


3115 


308 


593 


19O 



Man ersieht, was für einen bedeutenden Prozent nicht landwirtschaftliche 
Berufe unter den Inhabern landwirtschaftlicher Betriebe einnehmen. Die Selb- 
ständigen der Industrie und Berufe der Gruppe C — H der Berufszählung sind 
wohl diejenigen, in deren Erwerb die Landwirtschaft die geringste Rolle spielt, 
während bei den Unselbständigen der Industrie der Zusammenhang ein viel 
festerer ist. Nun besitzen diese Leute vielfach Land, sei es ererbtes, erwor- 
benes oder auch Allmende, das sie nicht bewirtschaften wollen oder können. 
Sie verpachten es dann gern. So berichtet der Bürgermeister von Mosbach, 



32 V. Kapitel 

das Allmendland werde vorwiegend verpachtet, »in den meisten Fällen findet 
eine ganze, in den wenigsten eine teilweise Verpachtung statt, weil die wenigsten 
der Bürger eigenen landwirtschaftlichen Betrieb haben, bzw. letzteren nicht 
verstehen«. Hier handelt es sich um eine Amtsstadt von über 4000 Ein- 
wohnern. Aber auch in vielen kleinen, rein landwirtschaftlichen Gemeinden 
finde ich die stets wiederkehrende Äußerung, das Allmendland werde von 
alten Leuten oder von solchen, die keine Landwirtschaft treiben, verpachtet. 
Die Verpachtung ist es, die uns diese Entwicklung interessant macht. Sie nimmt 
zu, je mehr die Gemeinden städtischen Charakter gewinnen. Einige Gemeinden 
nehmen nun ihren Bürgern die Sorge um die Verwertung des Allmendanteils 
ab, indem sie die Verpachtung vermitteln. Zwei interessante Beispiele seien 
hier angeführt. In Durlach, dessen Allmendbesitz 260 ha beträgt, sind gegen 
180 ha Wiesen. Davon werden nur etwa 6 ha direkt bewirtschaftet. Für 
den Rest aber ernennt die Gemeinde eine besondere Kommission, welche die 
Erträge versteigert und die Erlöse den Berechtigten zuführt. x Etwas anderes 
hat sich in Kirchheira bei Heidelberg herausgebildet. Hier wird ein großer 
Teil des Geländes, etwa 80 ha, in langfristigem Kontrakt (ebenfalls durch 
Vermittlung der Gemeinde) an die Zuckerfabrik Waghäusel verpachtet. Etwa 
50 ha mietet die Militärverwaltung für einen Exerzierplatz. 2 Außer diesem 
Mißstand (und man darf es doch wohl als Mißstand bezeichnen, daß Leute 
landwirtschaftliches Gelände bekommen, das sie nicht bewirtschaften können) 
kommen in Städten auch kleineren Umfangs noch andere Kollisionen mit der 
modernen Entwicklung vor. So besonders, wenn das Allmendland in die 
Bausphäre fällt. In Radolfzell und in Waldkirch, also Städten von bloß 4000 
bzw. 5000 Einwohnern, hat sich die Stadt schon mehrmals über Bürgerland 
ausdehnen müssen. Die Inhaber werden nicht etwa in natura, sondern durch 
Geldrenten entschädigt. 

Die erwähnten Mittel, Vergeudung von Produktionsmöglichkeiten zu ver- 
hindern, sind zweifellos sehr zweckmäßig, aber man kann nicht übersehen, daß 
sie die Allmende ihres natürlichen Charakters entkleiden. Denn ihr Wesen 
beruht nun einmal auf der Naturalnutzung. Wo diese in der oder jener 
Form aufhört, wird sie zu einer unmotivierten und, weil Reich und Arm 
gleichberechtigt, nicht einmal immer wünschenswerten Rente aus öffentlichen 
Mitteln. Man kann sagen, daß wenn Verpachtung von Allmendland einen 
bedeutenden Umfang annimmt, daß diese Art der Landnutzung sich innerlich 
überlebt hat und ihrer Auflösung entgegengeht. Die städtische und industrielle 
Entwicklung duldet die ganze Institution nicht mehr. Ich glaube daher für 
eine ganze Reihe badischer Ortschaften das Schwinden der naturalen Allmend- 
nutzung in mehr oder minder ferner Zukunft prophezeien zu können, so für 
Weinheim, Schwetzingen, Durlach, Ettlingen, Radolfzell usw. 

Symptomatische Bedeutung hat das Gesetz vom 3 1 . Juli 1 904, 3 das 
eine wichtige Neuerung in das badische Allmendrecht gebracht hat. Die 
Gemeindeordnung bestimmte in ihrem § 104, daß Art der Verteilung und 
Umfang des Genußloses nur mit Zustimmung von Zweidrittel der Berechtigten 
geändert werden können. Dies machte Reformen meist unmöglich, denn 



1 Schriftliche Auskunft der Gemeindebehörde. 

2 Gemeinderechnung für 1904. Vgl. auch S. 11. 

3 Das übrigens noch andere Materien ordnete. 



Einfluß der Bevölkerungszunahme. \ \ 

selten sind die Bürger willig genug, um Änderungen zuzustimmen, die für sie 
nicht von offenbarem Nutzen sind, die aber im Interesse der Gemeinde 
durchaus wünschenswert oder gar unentbehrlich sein können. In kleineren 
und verkehrsarmen Gemeinden, wo Bürger und Einwohner leidlich zusammen- 
fallen, hat dies wenig zu bedeuten, denn hier sind die Gemeindeinteressen 
auch die der Bürger. Wo aber infolge Zuwanderung und natürlicher Zunahme 
die nicht ortsbürgerlichen Einwohner zahlreicher sind, dort spaltet sich die Bevöl- 
kerung in zwei Lager, die oft entgegengesetzte Ziele verfolgen. 

Dies hat nun den Verband der mittleren Städte Badens im Jahre 1902 
veranlaßt, um Änderung des Rechts zu petitionieren. Die Regierung arbeitete 
nun das erwähnte Gesetz aus, das in seinen wichtigeren Bestimmungen vom 
Landtag angenommen wurde. Darnach sollten nunmehr die Gemeindeorgane 
als solche die Befugnis haben (nach wie vor mit Staatsgenehmigung natürlich !), 
ohne und sogar gegen den Willen der Berechtigten Allmendland dem 
Genuß zu entziehen. Sie sind jedoch verpflichtet, die Berechtigten durch 
anderes Land oder »wenn dies nicht tunlich ist«, durch Geldrenten zu ent- 
schädigen. Der Anspruch auf Geldentschädigung ist ebenfalls eine rechtliche 
Neuerung, die aber praktisch schon längst bestanden hatte. 

Der obenerwähnte Verband zählt viele Gemeinden, die für badische Ver- 
hältnisse vielleicht »Mittelstädte« in Wahrheit aber durchaus Kleinstädte sind. 
Daß er die Initiative zum Gesetz ergriffen hatte, ist eben das Bedeutsame an 
dem Vorgang. Ausdrücklich wird in seiner Petition auf die Kollisionen zwischen 
Allmendrechten und Baubedürfnissen der Städte hingewiesen. Nicht alle 
empfänden diese Mißstände in gleichem Maße, einige wollten in absehbarer 
Zeit keine Änderungen vornehmen, schlössen sich jedoch an »im Hinblick auf 
die Möglichkeiten einer ferneren Zukunft«. l Andere gingen jedoch viel weiter 
als die Petition und das spätere Gesetz und schlugen vor, daß in sämtlichen 
Gemeinden von mehr als 6000 Einwohnern der Allmendgenuß auf den Aus- 
sterbeetat gesetzt werde. Ich zweifle nicht, daß dieser Gedanke früher oder 
später verwirklicht wird. Die Form ist allerdings nicht zweckmäßig. Nicht 
auf die absolute Einwohnerzahl kommt es an, sondern auf das Verhältnis der 
bürgerlichen und nichtbürgerlichen Einwohner zueinander. Ich meine, daß 
wo ihre Zahl ungefähr gleich ist, die Aufrechterhaltung der Allmende nicht mehr 
im Gesamtinteresse liegt. Es hat dann keinen Zweck mehr, einer einzelnen 
Schicht der Bevölkerung eine Sonderstellung zu gewähren. 

Es hat sich verlohnt, etwas länger in Baden zu verweilen, weil hier die 
Verhältnisse besonders typisch sind. Aber auch in anderen Gegenden und 
Ländern sind Beispiele genug, wie die Allmende der städtischen Entwicklung 
weichen muß. So berichtet Bücher, 2 daß die Stadt Tübingen 1857 die bürger- 
lichen Nutzungsrechte an ihrem Gemeindeland aufhob, weil dieses »alte System 
bei einer Stadt von 10 000 Einwohnern auf unüberwindliche Schwierigkeiten 
stoßen mußte«. 

Interessante Fälle bringt Miaskowski aus der Schweiz. Ganz allgemein 
meint er zunächst, daß die aus Landgemeinden entstandenen Städte den 
Allmendnutzen durch Geldrenten abzulösen suchten. Dies sei spätestens um 



1 Kommissionsbericht der II. K. 1903/4. 3. Beilageheft, Beilage 43 a, S. 34. 

2 Ureigentum 194. 

Eliasberg, Bedeutung des Allmendbesitzes. 



34 V. Kapitel. 

die Mitte des 19. Jahrhunderts geschehen. Auch Gabholz sei oft in Geld 
abgelöst worden. 1 In Bern wurden bereits seit 1834 die Allmendf lachen 
zugunsten der Berechtigten verpachtet. Gabholz bezog man indessen noch 
fernerhin in natura. 

Wenn schon in Orten mäßigen Umfangs, eigentlich Kleinstädten, wie die 
erwähnten, die naturale Allmendnutzung nicht mehr aufrecht zu erhalten ist, 
so hat sie in mittleren und vollends in Großstädten ihre Daseinsberechtigung 
durchaus verloren. Es ist daher sehr verständlich, daß die Gesetzgebung hier 
eingegriffen und, wie z. B. in Preußen und Baden, den größeren Städten, 
welche eine gesetzliche Sonderstellung genießen, Austeilung von Nutzungen aus 
dem Gemeindevermögen verboten hat. 



3. Folgen der städtischen Expansion. 

Der § 65 der badischen Städteordnung, der das eben erwähnte Verbot 
ausspricht, hat auf Umfang der Allmende in doppelter Hinsicht eingewirkt. 
Zunächst direkt. Die diesem Gesetz untergeordneten Städte mußten ihre 
Bürgernutzungen aufheben. Das brauchte aber nicht plötzlich zu geschehen. 
Die durch Ableben oder Wegzug der Inhaber freiwerdenden Lose durften 
nicht wieder ausgegeben werden und wurden dem Gemeindevermögen zu- 
geschlagen. Die Abwicklung ging langsam vor sich. So sind in Konstanz, 
das die Städteordnung seit 1875 hat, von den ursprünglich 778 Losen heute 
noch 153 im Genuß der Bürger, nebenbei bemerkt, von ihnen zum größten 
Teil verpachtet. 2 

Übrigens hatte Konstanz allein noch Allmende zur Zeit, da die Städte- 
ordnung eingeführt wurde. Von den anderen Städten dieser Gruppe fanden 
in Baden-Baden bedeutende Gabholzbezüge statt, die nun ebenfalls zu liqui- 
dieren waren. Es ist mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen , daß die 
meisten übrigen Städte in früherer Zeit über Gemeindeweiden verfügt hatten. 
Für Mannheim und Freiburg, wo sie im 1 8. und 1 9. Jahrhundert zu Eigentum 
aufgeteilt worden sind, steht das fest. 3 

Die Wirkung des Gesetzes wird sich in der Zukunft noch stärker zeigen, 
wenn einige weitere Städte die Städteordnung bekommen. Die nächste wird 
wohl Durlach sein, vielleicht folgen dann Weinheim, Villingen, Rastatt, Lörrach, 
von denen die beiden letzten freilich keine Allmenden besitzen. 

Bedeutungsvoller war aber die indirekte Wirkung der Städteordnung. 
Die deutschen Städte sind im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts außer- 
ordentlich gewachsen, wie es in Europa wohl beispiellos ist. Neben dem 
Geburtenüberschuß und der Zuwanderung vom Land ist hier die Verschmelzung 
einzelner Gemeinden zu größeren Einheiten von hervorragender Bedeutung 
gewesen. Nur ausnahmsweise und meines Wissens nur in Rheinland- Westfalen 



* Die schweizerische Allmende S. 155, 156. 

2 Aus einem freundlichen Schreiben des Stadtrats. 

3 S. Ellering 30 ff.; die Kunde über die Mannheimer Weide verdanke ich deren 
Erwähnung in der schon zitierten Rede des Staatsrats Winter (s. Einleitung S. 6). 



Einfluß der Bevölkerungszunahme. it 

handelt es sich dabei um gleich große Gemeinden. x Gewöhnlich dehnt sich 
eine größere Stadt aus und verschlingt dabei die umliegenden Landorte. Für 
unsere Probleme ist diese Erscheinung von ganz außerordentlicher Bedeutung, 
und zwar, weil die eingemeindeten Vororte mit ihrer Selbständigkeit auch 
sämtliche Bürgernutzungen aufgeben müssen. Bevor ich darauf eingehe, möchte 
ich einige allgemeine Betrachtungen über großstädtische Expansionspolitik an- 
stellen , der man erst neuerdings seitens der Wissenschaft näher zu treten 
beginnt. 2 

Die Gründe, welche die Städte veranlassen, ihre Gemarkungen auszu- 
dehnen, sind mannigfacher Art. In erster Reihe kommt das bauliche Expansions- 
bedürfnis in Betracht. Die moderne Stadt lenkt ihr Wachsen nach rationellen 
Grundsätzen, sie schafft für die erst zu bauenden Wohn- und Geschäftsgebäude 
gewisse Vorbedingungen, ohne die wir uns ein größeres Gemeinwesen nicht 
mehr denken können: Kanalisation, Gas-, Wasser- und Stromleitung, oft sogar 
schon Schule und Straßenbahn. Alle diese Einrichtungen verlangen aber un- 
bedingt Verfügungsgewalt Über das Terrain, mit anderen Worten die Gemarkungs- 
hoheit. Daher sehen wir, daß die Städte ihre Grenzen fortwährend nach 
außen verschieben. In neuerer Zeit ist die Einverleibung der Vororte beson- 
ders beliebt. Sie geschieht oft in Fällen, wo die wirkliche Verschmelzung erst 
nach langen Jahren erwartet wird und zwischen den einzelnen Teilen der 
neuen Stadt noch Hunderte von Hektar freien vorläufig landwirtschaftlich ge- 
nutzten Landes liegen. Andere Städte lassen dagegen die Nachbarorte mit 
sich vollkommen verwachsen, bevor sie eine rechtliche Vereinigung herbeiführen. 
Es hängt da vieles von lokalen Umständen ab. Ist der Nebenort eine kleine 
wenig leistungsfähige Gemeinde, so kann er den Ansprüchen einer Großstadt 
nicht genügen, und es wird zwischen der Baupolitik der beiden Gemeinwesen 
ein bedenklicher Widerspruch entstehen. Diese Nachteile und mithin die 
Vorteile der Vereinigung verringern sich, wenn es sich um zwei einigermaßen 
gleichwertige Stadtgebilde handelt. 

Andere Städte kaufen die Nachbargemarkungen stückweise auf. Dabei 
gibt es wiederum verschiedene Methoden. Die einfachste ist die, daß eine 
Stadt Land kauft, sei es von Privaten oder von der Nachbargemeinde selbst, 
es aber unter der bisherigen Gemarkungshoheit beläßt. Oder sie erwirbt um- 
gekehrt nur die Gemarkungshoheit, ohne in die Besitzverhältnisse einzugreifen. 
Endlich aber, und dies ist der häufigste Fall, man verbindet beides und läßt 
sich mit dem Besitz auch die öffentlichen Rechte abtreten. 

Der Besitz der Gemarkungshoheit spielt eine bedeutende Rolle in den 
städtischen Einnahmen. Die Großstadt schafft durch Besiedelung bisher un- 
bebauten Bodens große Werte. Wenn nun die neuen Stadtviertel im Weich- 
bild einer kleinen Gemeinde liegen, so kommen die Erträge der Steuern dieser 
ganz unverdient zugute. Dabei hat sie vielleicht nicht nur nichts getan, um 
diese Werte zu erhöhen, sondern, wie es oft vorkommt, dem Wachsen der 
Nachbarin kleinliche Hindernisse in den Weg gelegt. In Städten, welche 



* Es müßten denn die projektierten Vereinigungen Berlin — Charlottenburg — Rixdorf — 
Schöneberg und Nürnberg — Fürth hierher gerechnet werden, zur Not auch die vollzogene von 
Stuttgart— Cannstatt. 

* Vgl. besonders die bedeutsame S. 5 genannte Veröffentlichung des Vereins für 
Sozialpolitik. 

3* 



^ 6 V. Kapitel. 

Verbrauchssteuern erheben, wird die Kontrolle des steuerpflichtigen Verkehrs 
noch dadurch besonders erschwert, daß die Grenze oft mitten in einen belebten 
Straßenzug fällt. 

Auch andere Gründe können für Einverleibung von Vororten sprechen. So hat 
z. B. Freiburg die Gemeinde Güntersthal aus Rücksichten auf den Fremdenverkehr 
in seinen Verband aufgenommen. Es wäre ja kaum zu erwarten, daß die 
kleine Landgemeinde einer weitherzigen Fremdenpolitik gewachsen wäre, um 
das herrliche Tal auch in wirtschaftlicher Hinsicht zu »einem der köstlichsten 
Besitztümer« Freiburgs zu gestalten. Die Aufnahme Haslachs war dagegen 
nötig im Interesse der gewerblichen und kommerziellen Entwicklung der Stadt. 
Man könne ja nicht gleichgültig zusehen, heißt es in einer Magistratsvorlage, 
wie das Nachbarterrain verwendet werde. Ähnliche Gründe neben der Vor- 
sorge für das Schicksal des Bodens, der durch den damals projektierten Rhein- 
hafenbau wohl besonders im Wert steigen würde, sprachen im Jahre 1885 mi- 
die Vereinigung von Mühlburg mit Karlsruhe. Die Einverleibung ist jedenfalls 
der geeignetste Weg, verschiedenen Unzuträglichkeiten, die aus der allzunahen 
Nachbarschaft entstehen und die durch bloße Gemarkungsverschiebungen oft 
geradezu hervorgerufen werden, vorzubeugen. Wurde doch einigen Bürgern 
von Beiertheim, die an Karlsruhe abgetretene Gemarkungsteile bewohnten, die 
Allmendnutzung entzogen, weil sie nunmehr für ortsabwesend erklärt wurden. 

Die verschiedenen Formen der großstädtischen Entwicklung kann man 
in Baden am Beispiel von Mannheim und Karlsruhe besonders schön beobachten. 
Die beiden Städte haben sich verschieden nach außen hin ausgedehnt. Während 
Mannheim, wie der Boa constrictor seine Opfer auf einmal verschlingt und 
sich dann eine Zeitlang ausruht, scheint Karlsruhe eine andere, in unserer Zone 
üblichere Ernährungsmethode vorzuziehen und ist im Laufe der letzten Jahr- 
zehnte stetig auf Kosten der angrenzenden Dörfer gewachsen. Freilich, die 
Großstadtperiode hatte ebenfalls mit einer Eingemeindung begonnen, nämlich 
der von Mühlburg 1885. Seitdem ist aber fast kein Jahr vergangen, das nicht 
irgendwelche Verschiebung an der Peripherie gebracht hätte. Besonders mußte 
Beiertheim herhalten, das durch Verkäufe und Abtretungen seine ganze Gemarkung 
bis auf 1 60 ha verloren hat. Aber auch Rüppurr, Bulach, Grünwinkel, Daxlanden, 
Knielingen, Teutschneureut , Rintheim und Durlach — sie alle haben mehr 
oder minder das Herannahen des Polypen gespürt, der langsam aber sicher 
seine Arme nach allen Seiten ausstreckt. So war die Stadt bereits bis hart 
an den Dorfetter von Beiertheim, Grünwinkel und Rintheim angelangt, deren 
Eingemeindung meines Wissens zum ersten Januar 1907 erfolgt ist. Ob und 
wann weitere Aufnahmen folgen werden, ist mit Sicherheit nicht zu sagen. 
Für einige von ihnen halte ich es aber für sehr wahrscheinlich. 

In Mannheim schwebt seit langem das Projekt, Seckenheim einzugemeinden. 
Der erste Schritt war im Grunde genommen durch Abtrennung dieser Gemeinde 
vom Amtsbezirk Schwetzingen und deren Zuweisung an den Amtsbezirk Mann- 
heim Ende der 90 er Jahre vollzogen. Inzwischen hat sich aber die Sache 
durch Ausscheidung von Rheinau und den bekannten Krach verzögert. Der 
schließliche Ausgang kann aber nicht zweifelhaft sein. Übrigens hat auch 
Mannheim mehr als einmal den weniger radikalen Weg der Land- und 
Gemarkungskäufe betreten. So hatte man noch vor der Eingemeindung von 
Neckarau verschiedene Grundstücke, die der Gemeinde gehörten, gekauft und 
eingetauscht. 



Einfluß der Bevölkerungszunahme. ?7 

Heidelberg hat im Jahre 1890 Neuenheim eingemeindet, um sich die 
Herrschaft über die Neckarufer zu sichern. Das mit Neuenheim fast ver- 
schmolzene Handschuhsheim mußte dessen Schicksal wohl aus baupolitischen 
Gründen teilen. Kompetente Personen meinen, daß wenn das Bahnhofprojekt 
zustande kommt und der Schwerpunkt des Verkehrs sich nach Rohrbach und 
Kirchheim zu verschiebt, daß dann diese beiden Orte rapid an Heidelberg 
heran- und hereinwachsen werden. Ob das eintritt, können wir ja abwarten. 
Tatsache ist allerdings, daß viele Häuser von Rohrbach jetzt schon dicht an 
der Gemarkungsgrenze stehen. 

Auch Freiburg hat sich durch Aufnahme von Vororten im Laufe des 
19. Jahrhunderts bedeutend vergrößert. Schon in den 20 er Jahren des 
19. Jahrhunderts waren Wiehre und Herden, mit denen die Stadt gewisse 
Weiderechte zu teilen hatte, 1 zu Stadtteilen von Freiburg geworden. In den 
90er Jahren erfolgte, wie bereits erwähnt, 2 die Eingemeindung von Günterstal 
und Haslach. Seit dem 1. Januar 1907 ist auch Zähringen , die Wiege 
der badischen Dynastie und Residenz des bekannten Zentrumsführers Wacker, 
aus der Reihe der selbständigen Gemeinden verschwunden. 

Ich schließe diese Übersicht, indem ich die Vereinigung des für die 
Bijouterieindustrie hochwichtigen Brötzingen mit Pforzheim erwähne. 

Die Expansionstendenzen der modernen Mittel- und Großstädte haben 
ihren Höhepunkt noch lange nicht erreicht, ihre Bedeutung wird in der Zukunft 
eine viel größere werden als bisher. Und dies macht sie auch für unser 
Thema so interessant. Die meisten Landorte in der oberrheinischen Ebene 
haben mehr oder minder ausgedehnte Bürgernutzungen, sei es an Land oder 
Gabholz. Beides muß schwinden, sobald die Angliederung an eine größere 
Stadt erfolgt. Der früher erwähnte § 65 der badischen Städteordnung tritt 
natürlich für neu aufgenommene Gemeinden, die nunmehr nur Stadtteile sind, 
sofort in Kraft. Aber selbst ohne diese gesetzliche Vorschrift wäre der Allmend- 
besitz hier nicht aufrecht zu erhalten. Solange die Gemeinde selbständig war, 
war die Anwesenheit, die Voraussetzung der Nutzung ist, ohne weiteres fest- 
zustellen. Wie soll es aber von jetzt ab sein? Würde man die Berechtigung 
an das Wohnen in der alten Gemeinde knüpfen, so würde die Zahl der 
Nutznießer sehr bald zusammenschmelzen, denn in einer großen Stadt ist die 
interne Wanderung sehr stark. Der gesamte Bürgernutzen fiele einer kleinen 
Kaste zu. 

Die im Badischen einverleibten Landgemeinden hatten sämtlich irgend 
welche Bürgernutzungen, die jetzt alle als gewesen zu betrachten sind. Freilich 
gilt auch hier, was von der Liquidierung des eigenen Bürgernutzens der Städte 
gesagt wurde. 3 Die Nutzungen werden billigerweise nicht auf einmal beseitigt, 
sondern auf den Aussterbeetat gesetzt und nach Maßgabe des Freiwerdens 
eingezogen. Eigentlich dauert es hier noch länger, denn die Ortsbürger sichern 
sich im Eingemeindungs vertrag den ungeschmälerten Genuß nicht nur für die 
eigene Person, sondern auch für ihre minderjährigen Söhne. Es ist daher 
nicht überraschend, daß man in Neckarau erst für 1962 bis 1965 das Absterben 
des letzten Genußberechtigten erwartet. Und in dem 1896 eingemeindeten 



* Ellering 30. 

2 Siehe oben S. 36. 

3 Siehe S. 34. 



38 Kapitel V. 

Käfertal sind jetzt noch neben 540 Inhabern gegen 100 Anwärter vorhanden, 
die den Genuß erst anzutreten haben. 

Geringeren, aber auch nicht unerheblichen Einfluß auf den Allmendumfang 
hat die stückweise Expansion der Städte, die sich in Form von Land- und 
Gemarkungskäufen vollzieht. Das interessanteste Beispiel dürfte wohl hierfür 
Beiertheim bei Karlsruhe bieten. Dort hatte die Gemeinde fast ihre ganzen 
Liegenschaften, darunter auch Allmendland, an die Stadt Karlsruhe verkauft. 
Das gewonnene Kapital war so groß, daß es sämtliche Gemeindebedürfnisse 
deckte und noch erheblich Überschüsse abwarf, die an die glücklichen Bürger 
verteilt wurden. Dieser Umstand bildete übrigens das größte Hemmnis bei 
den Verhandlungen über Bciertheims Eingemeindung. Karlsruhe wollte und 
konnte die damaligen Rentenbezieher doch nicht in vollein Umfange entschädigen. 
Da aber die Beiertheimer an ihren Bezügen mit jener Zähigkeit festhalten, deren 
nur Empfänger von unverdienten Einkünften fähig sind, so blieb der Residenz 
weiter nichts übrig, als den Weg der Zwangsvereinigung zu beschreiten, der 
auch zum gewünschten Ziele geführt hat. 

Andere Karlsruhe vorgelagerte Gemeinden haben an die Stadt ebenfalls 
Teile ihres Allmendlandes verkauft, so Bulach und Daxlanden, gegen 50 ha. 
Vom letzteren liegen noch erhebliche Allmendflächen im Expansionsgebiet 
der Stadt und werden recht bald verschwinden. 

. Ähnliches hatte bereits auch in Mannheim vor den großen Erweiterungen 
des . Stadtumfanges stattgefunden. So wurden 1889 und (dicht vor der Auf- 
lösung) 1898 Teile des Allmendbesitzes von Neckarau an Mannheim verkauft. 
Die damaligen Inhaber wurden teils durch anderes Land, teils aber durch 
Renten entschädigt. 

Neben den baulichen Bedürfnissen der Städte spielen noch zahllose 
andere Momente herein, welche umliegendes, bislang landwirtschaftlich genutztes 
Land, darunter auch Allmende, verbrauchen lassen. Da wird eine Bahn geführt, 
dort braucht die Kaserne einen Exerzierplatz. Während aber für die Land- 
wirtschaft treibende Bevölkerung dies vielfach nur eine Verschiebung des 
Produktionsorts bringt, erfährt der Allmendbesitz nur selten Ersatz durch 
anderes Land. Für die Gemeinden ist es eben viel bequemer, den früheren 
Nutzungswert in Geld auszuzahlen. 

Die Entschädigungsfrage ist überhaupt ein interessantes und heiterer 
Momente nicht entbehrendes Kapitel. Zunächst ist bemerkenswert, daß die 
nicht ortsbürgerliche Bevölkerung dem Anschluß an die Stadt in der Regel 
sympathisch gegenübersteht. Sie hat keine lokalen Interessen und kann durch 
Verbindung mit der Großstadt nur gewinnen. Aber auch unter den Orts- 
bürgern sträuben sich bloß die reinen Landwirte, die mit Recht befürchten, 
daß die allzu große Intimität mit der modernen Nachbarin ihrem altehrwür- 
digen Gewerbe Abbruch tun könnte. Sie sind es auch, die den Verhandlungen 
den Stempel aufdrücken. Da wird nun um einen besonderen Wochenmarkt 
gehandelt, da läßt man sich für einige Jahre das Fortbestehen von Mist- und 
Dunggruben garantieren und verlangt Sicherheit gegen allzu rigorose Auffassung 
der Straßenreinlichkeit. Um nicht sofort in die Sorgen des großstädtischen 
Haushalts hineingerissen zu werden, legt man den bestehenden Umlagefuß für 
einige Jahre fest. In Käfertal und Neckarau durfte er nicht erhöht werden, 
bevor die Stadt für sie nicht eine Summe aufgewendet hat, die ihrem mitge- 
brachtem Vermögen gleichkommt. 



Einfluß der Bevölkerungszunahme. ?q 

Die wichtigste Frage ist aber die des Bürgernutzens. Ich habe schon 
erwähnt, daß die Inhaber auch ihren Söhnen den Genuß zu sichern suchen. 
In den Mannheimer Vororten sollten noch alle Bürgersöhne genußberechtigt 
bleiben, die zur Zeit der Eingemeindung mindestens 10 Jahre alt waren. Nun 
kommt es ja oft vor, daß die Stadt just das Allmendland braucht. Es würde 
zu unbequem sein, jedesmal eine Versammlung der berechtigten Bürgersöhne 
einzuberufen, ohne deren Zustimmung die Verwendung unmöglich ist. Auch 
weiß man nicht, ob man jedesmal die Mini malmajori tat, die nach allen 
Gemeindeordnungen nötig ist (in Baden Zweidrittel) erlangen wird. 1 

Mannheim ist diesen Schwierigkeiten aus dem Wege gegangen, indem es 
sich Generalvollmacht erteilen ließ, je nach Bedarf Allmendland ohne weiteres 
einziehen zu dürfen. Davon wird auch viel Gebrauch gemacht. Natürlich 
muß die Entschädigung ebenfalls im voraus festgesezt werden, die dann als 
Lebensrente ausgezahlt wird. Sie richtet sich nicht nach dem landwirtschaft- 
lichen Ertragswert des Bodens, erreicht freilich auch nicht den Verkehrswert. 
Die Neckarauer hatten 3,50 M. pro Ar verlangt, gingen aber bis auf 2,50 M. 
herunter. In Käfertal waren bis 1902 bereits über 40 ha gegen eine Jahres 
rente von 7000 M. abgelöst. 

Man kann es den Einwohnern der aufgenommenen Gemeinden nicht 
verargen, wenn sie ihre Selbständigkeit teuer verkaufen und von der Stadt, 
deren Straßen ja bekanntlich mit Gold gepflastert sind, möglichst viel herauszu- 
schinden suchen. Die Städte bekunden andererseits größtes Verständnis für 
diese Menschlichkeiten und gehen auf all die kleinen, oft krausen Wünsche 
ein. Hat doch Freiburg den Haslachern zehnjährige Fortdauer des Rekruten- 
geldes zugestanden, das die zum Militär Ausrückenden in der bescheidenen 
Höhe von drei Talern als Trost und Zehrgeld seit altersher zu bekommen 
gewohnt waren. Diese Liberalität liegt in der Städte wohlverstandenem 
Interesse, denn die Möglichkeit der freien Ausdehnung ist eine Lebensnot- 
wendigkeit für sie, die noch viel größere Opfer rechtfertigen würde. 



* Durch das auf Seite 32 erwähnte badische Gesetz vom 31. Juli 1904 ist die Ab- 
lösung der Naturalnutzung wesentlich erleichtert worden. 



Lebenslauf. 



Als Sohn des Kaufmanns Moses Eliasberg bin ich am 
12. August 1879 zu Pinsk (Gouvernement Minsk) in Rußland 
geboren. Meine Studienzeit verbrachte ich ausschließlich auf 
deutschen Universitäten. Von Herbst 1897 bis Ostern 1899 war 
ich in Leipzig, wo ich Vorlesungen von Herren Prof. Bücher, 
Stieda und Pohle (Nationalökonomie), Wundt, Heinze und Volkelt 
(Philosophie), Lamprecht (Geschichte), hörte. Außerdem gehörte 
ich da zwei Semester lang Herrn Prof. Büchers volkswirtschaft- 
lichen Seminar an. 

Zum Sommersemester 1899 siedelte ich nach Heidelberg über, 
wo ich folgende Vorlesungen hörte: Weber und Leser (National- 
ökonomie), Jellinek (Staatsrecht, Staatslehre, Politik und Rechts- 
philosophie), Kuno Fischer und Hensel (Philosophie). Auch hier 
arbeitete ich (Wintersemester 1899/ 1900) im volkswirtschaftlichen 
Seminar und zwar unter Herrn Prof. Weber. Die folgenden 
drei Semester war ich krankheitshalber beurlaubt. Zum Winter- 
semester 1901/02 kehrte ich nach Heidelberg zurück, hörte nur 
noch folgende Vorlesungen: Rathgen (Nationalökonomie) und 
Hettner (Geographie) und war Mitglied des volkswirtschaftlichen 
und des geographischen Seminars. 

Zum Wintersemester 1902/03 wurde ich für Studienzwecke 
nach Paris beurlaubt. Da ich jedoch bald darauf wieder krank 
wurde, mußte ich meine Arbeiten abbrechen. Seit Ende 1904 
war ich nicht mehr immatrikuliert. Erst 1905 wurde ich wieder 
arbeitsfähig. 



OF THE 

il UNIVERSITY 



Ahron Eliasberg. 



G. Braunsche Hofbuchdruckerei und Verlag, Karlsruhe. 

Volkswirtschaftliche Abhandlungen 
der Badischen Hochschulen 

herausgegeben von 

Carl Johannes Fuchs, Eberhard Gothein, 
Karl Rathgen, Gerhard von Schulze- Gävernitz. 

Die Tarife der deutschen Strassenbahnen, ihre Technik und wirtschaftliche 

Bedeutung. Von Dr. LOTHAR WEISS. (Volkswirtschaftl. Abhandlungen. 
VII. Band. 3. Ergänzungsheft.) — Preis im Abonnement 2.40 M., im Einzel- 
verkauf 3.20 M. 

»Wir freuen uns, die verständige und fleißige Arbeit der Beachtung unserer Leser angelegent- 
lichst empfehlen zu können.« Literar. Mitteilungen der Annalen des Deutschen Reichs. 

Lohn und Haushalt der Uhrenfabrikarbeiter des badischen Schwarzwalds. 

Von Dr. HEINRICH FEURSTEIN. (Volkswirtschaftliche Abhandlungen. 
Vn. Band. 4. Ergänzungsheft.) — Preis im Abonnement 2.40 M., im Einzel- 
verkauf 3 M. 

»Das Buch darf als mustergültig dafür bezeichnet werden, wie man die Lage der Arbeiter 
erforschen soll.« Dokumente des Sozialismus. 

Für und wider Karl Marx. Prolegomena zu einer Biographie. Von Dr. AUGUST 
KOPPEL. (Volkswirtschaftl. Abhandlungen. VIII. Band. 1. Heft.) — Preis 
im Abonnement 2.80 M., im Einzelverkauf 3.60 M. 

»Dem Verfasser, einem Neukantianer, kam es darauf an, die erkenntnistheoretischen 
Voraussetzungen und die logische Struktur des marxistischen Systems zu untersuchen. Unter 
diesem Gesichtspunkte prüft er in originellem Gedankengang die beiden Pfeiler des Marxismus: Die 
Entwicklung der Lehre vom Wert und Mehrwert und die ökonomische Geschichts- 
auffassung.« Soziale Kultur. 

Die Agrarpolitik des Markgrafen Karl Friedrich von Baden. Von Dr. OTTO 

MOERICKE. (Volkswirtschaftl. Abhandlungen. VHI. Band. 2. Heft.) — 
Preis im Abonnement 2.40 M., im Einzelverkauf 3.20 M. 

»Ich möchte gern anerkennen, daß es eine Fülle interessanter und im Detail bisher unbekannter 
Notizen über die landwirtschaftlichen Änderungen bringt, die damals unter der Ägide der zeitweise 
physiokratisch stark beeinflußten badischen Verwaltung mit mehr oder weniger Erfolg angestellt sind.« 

Frankfurter Zeitung. 

Die Lederwarenindustrie in Offenbach am Main und Umgebung. Von Dr. 

LUDWIG HAGER. (Volkswirtschaftl. Abhandlungen. VIII. Band. 3. Heft.) 

— Preis im Abonnement 2.40 M., im Einzelverkauf 3 M. 

»Die Sorgfalt, mit welcher der Verfasser den hier obwaltenden und sozial wissenschaftlich vor 
allen anderen Materien das Interesse in Anspruch nehmenden verwickelten Beziehungen zwischen Lohn- 
arbeit, Hausindustrie und Heimarbeit gerecht zu werden versucht, verdient die vollste Anerkennung, 
und die Darstellung darf als eine völlig sachentsprechende und in hohem Grade belehrende bezeichnet 
werden.« Kritische Blätter für die ges. Sozialwissenschaften. 

Die Lage der Orchestermusiker in Deutschland mit besonderer Berücksichtigung 

der Musik-Geschäfte (Stadtpfeifereien). Von Dr. HEINRICH W ALTZ. (Volks- 
wirtschaftl. Abhandlungen. VIII. Band. 4. Heft.) — Preis im Abonnement 1.80 M., 
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Die älteste deutsche Gewerkschaft: Die Organisation der Tabakarbeiter und 

Zigarrenarbeiter bis zum Erlasse des Sozialistengesetzes. Von Dr. FRANZ 
KLÜSS. (Volkswirtschaftl. Abhandlungen. VHI. Band. 2. Ergänzungsheft.) 

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»Im Gegensatz zu der Geschichte der bremischen Organisation wird hier der Versuch gemacht, 
nicht nur Tatsachengruppen aneinander zu reihen, sondern die Fäden der Entwicklung aufzudecken: 
einerseits den Einfluß der starken Persönlichkeit des Gründers, anderseits die Zusammenhange mit der 
wirtschaftlichen, politischen und allgemeinen Zeitgeschichte. Das ist dem Autor gut gelungen und 
gerade das verleiht der Schrift besonderen Reiz und Wert.« 

Kritische Bältter für die ges. Sozial Wissenschaften. 

Zu beziehen durch jede Buchhandlung und direkt vom Verlag. 



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Carl Johannes Fuchs, Eberhard Gothein, 
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Der wirtschaftliche Niedergang Freiburgs i. Br. und die Lage des städtischen 
Grundeigentums im 14. und 15. Jahrhundert. Ein Beitrag zur Geschichte 

der geschlossenen Stadt Wirtschaft. Von Dr. HERMANN FLAMM. (Volks- 
wirtschaftliche Abhandlungen. VIII. Band. 3. Ergänzungsheft.) — Preis im 
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»Eins von den Buchern, die wir brauchen: sorgfältige ortsgeschichtliche Untersuchung be- 
stimmter Entwicklungsreihen auf Grund eingehender Lokalkenntnis.« 

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Die Dezentralisation der Industrie und der Arbeiterschalt im Großherzogtum 

Baden und die Verbreitung des Mehrfamilienhauses auf dem Lande. Von Dr. 
R. F. WALLI. (VIII. Band. 4. Ergänzungsheft.) — Preis im Abonnement 
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»Da die Literatur über diese Frage wenig zahlreich ist und für Baden so gut wie ganz fehlt, 
darf die Wallische Schrift besonderes Interesse beanspruchen. Sie beruht zum großen Teil auf eigenen 
Erhebungen des Verfassers und bringt reiches statistisches Material über die Verteilung der Arbeiter 
auf Stadt und Land, sowie über die Verbreitung des Mehrfamilienhauses auf dem Lande. Die durch 
diese Bauatt bedingten Wohnungsverhältnisse werden nach ihrer wirtschaftlichen und sozialen Bedeutung 
scharf beleuchtet und kritisiert.« Frankfurter Zeitung. 

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Abhandlung, die auf fleißiger und gewandter Quellenforschung beruht, ist auch vom allgemeinen, 
historischen, national -ökonomischen und kulturellen Standpunkte aus eine anregende Lektüre.« 

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Die Darstellung soll einen Überblick über die neueste Entwicklung der Stadt Mannheim und 
ihre Tätigkeit geben, soweit sie auf der räumlichen Grundlage, der Gemarkung, basiert sind. 

Frachtsatz und Transportmenge unter Zugrundelegung der Verhältnisse des Mann- 
heimer Weizenhandels nach der Schweiz. Von ALFRED SCHNEIDER. 
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ment — .90 M., im Einzelverkauf 1.20 M. 

Mit der vorliegenden Abhandlung soll eine Untersuchung über die Eisenbahnfrachtpolitik und 
die ihr verwandten Gebiete der Öffentlichkeit übergeben und damit zu gleicher Zeit der Versuch 
gemacht werden, das Interesse der Wissenschaft, sowie auch interessierte Kreise des Publikums auf 
denjenigen Teil der volkswirtschaftlichen Theorie zu lenken, der bis jetzt, trotz seiner Aktualität unver- 
hältnismäßig spärlich und in der Hauptsache nur in größeren Werken eingehend behandelt worden ist. 

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>. . . daß die Abhandlung mit ungeheurem Fleiße abgefaßt und sehr lesenswert ist.« 

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»In recht verständlicher und übersichtlicher Weise zeigt der Verfasser, wie sich im Getreide- 
mühlengewerbe die Entwicklung zum Großbetrieb vollzogen hat.« Mühlenarbeiter-Zeitung. 

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Karl Rathgen, Gerhard von Schulze-Gävernitz. 

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Dr. HEINRICH FUCHS. (Volkswirtschaft. Abhandlungen. IX. Band. S.Heft.) 
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Der Absatz landwirtschaftlicher Erzeugnisse im Kreise Mannheim. Von Dr. 

EMIL DOERR. (IX. Band. 1. Ergänzungsheft.) — Preis im Abonnement 
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beleuchtet, sodann die Voraussetzungen für den Absatz der landwirtschaftlichen Produkte in diesem 
Kreise behandelt und darauf — und dieses bildet den umfangreichsten Teil — berichtet, wie sich der 
Verkauf der einzelnen landwirtschaftlichen Erzeugnisse vollzieht.« Heidelberger Tagblatt. 

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gänzungsheft.) — Preis im Abonnement 1.80 M., im Einzelverkauf 2.40 M. 

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hat, ist das erstemal eingehend behandelt in dem Werke des Dr. Hermann Wupperman. Wir lernen 
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ruhe und Vergleich mit den entsprechenden Verhältnissen in Mannheim, mit 
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dem Stand vom 1. Januar 1903 und im allgemeinen. Bearbeitet von 

FRIEDRICH CARL FREUDENBERG. — Preis 2.40 M. 

»Alles in allem liegt in der Monographie Über Mannheim eine »ehr wertvolle Arbeit vor, 

die kein Leser, der sich für solche bedeutsame wirtschaftliche und soziale Probleme interessiert, aus der 

Hand legen wird, ohne dem Verfasser für seine mit großem Aufwand von Zeit und Mühe geschaffene 

Belehrung aufrichtig dankbar zu sein.« Schwäbischer Merkur. 

Die Verhältnisse der Industriearbeiter in 17 Landgemeinden bei Karlsruhe. 

Dargestellt von Dr. R. FUCHS. — Preis 2.50 M. 

»Die Untersuchung ist mit unendlicher Gewissenhaftigkeit und Vorurteilslosigkeit geführt und 
stellt eine mustergültige volkswirtschaftliche Leistung dar.« 

Straßburger Post. 

Dr. Friedrich Woerishoffer, Vorstand der Grossh. Badischen Fabrikinspektion 

Von 1879—1902. Von Dr. R. FUCHS. — Preis 80 Pf. 

»Wir möchten sagen, alle, die sich mit Sozialpolitik beschäftigen, sollten sich mit der Gedanken- 
welt des Mannes vertraut machen, den theoretische Einsicht und praktische Erfahrung zu einem der 
besten Kenner der einschlägigen Gebiete gemacht haben. Sie werden dabei zugleich eine hervor- 
ragende Persönlichkeit von wohltuender Lauterkeit der Gesinnung, Herzensgüte und seltener Charakter- 
stärke kennen lernen.« Frankfurter Zeitung. 



Studien zur Bevölkerungsbewegung in Deutschland in den letzten Jahrzehnten 

mit besonderer Berücksichtigung der ehelichen Fruchtbarkeit. Von Dr. PAUL 

MOMBERT, Privatdozent an der Universität Freiburg i. Br. — Preis 8 M. 

»Der Verfasser dieser wertvollen Studie hat sich schon durch verschiedene Arbeiten auf dem 

Gebiete der Statistik einen geachteten Namen gemacht. Die Vorzüge seiner früheren Schriften: ein 

großer Fleiß in der Sammlung des Materials und eine besonnene Abwägung der Urteile treten auch 

... i! a_l-_^ 1- Archiv für Rassen- und Gesellschafts-Biologie. 



in dieser Arbeit hervor.« 

Der Abb6 de Saint-Pierre. Ein Nationalökonom des XVIII. Jahrhunderts. 
Dr. J. C. RINGIER. — Preis 2.80 M. 



Von 



Die Einwohnerschaft der Stadt Durlach im 18. Jahrhundert in ihren wirtschaft- 
lichen und kulturgeschichtlichen Verhältnissen dargestellt aus ihren Stammtafeln. 
Im Auftrage des Großherzoglich Badischen Ministeriunis der Justiz, des Kultus 
und Unterrichts bearbeitet und herausgegeben von Dr. OTTO KONRAD 
ROLLER. — Preis 9 M. 

>Diese interessante Arbeit ist ein erster Versuch, genealogische Arbeitsmethoden zur Beleuch- 
tung wirtschaftlicher Verhältnisse zu verwenden. Darin liegt eine Hauptbedeutung. 

Ausgewählte Schriften von Fabrikinspektor Dr. Friedrich Schuler. Auf Ver- 
anlassung von Freunden desselben herausgegeben von Dr. H. WEGMANN, 
eidgenössischer Fabrikinspektor in Mollis (Schweiz). — Preis 6 M. 
»Außer den Ärzten werden aber auch Nationalökonomen, Juristen, Arbeiterpräsides, Gewerbe- 
aufsichtsbeamte, überhaupt alle, denen das Wohl der arbeitenden Klassen am Herzen liegt, aus den 
Schriften Schulers eine Fülle von Anregung und Belehrung schöpfen.« Soziale Kultur. 



Zu beziehen durch jede Buchhandlung und direkt vom Verlag. 



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